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Alice Phoebe Lou / Paper Castles2019-03-11T08:24:02+00:00

Project Description

KW 12 – Alice Phoebe Lou / Paper

Woche 11/2019

Alice Phoebe Lou

Paper Castles (Motor)

Manchmal scheint es, als wäre die Welt zu klein für Alice Phoebe Lou. Die Singer-
Songwriterin kommt aus Südafrika, lebt in Berlin, tourt durch Europa, Japan und die USA. Sie singt viel von fremden Galaxien und Sternen und schwebt manchmal ein wenig über den Dingen. Alice Phoebe Lou spielt Konzerte in Planetarien, bei denen sie mit ihrem Publikum und ihrer Musik durch bewegte Bilder von Planeten und Milchstraßen fliegt. Ihr erstes Album hieß dazu passend „Orbit“.

Nun ist mit „Paper Castles“ ihr zweites erschienen, produziert von Noah Georgeson (Joanna Newsom, The Strokes, Adam Green). Den Internationalen Frauentag als Veröffentlichungsdatum hat sie nicht zufällig gewählt. Alice Phoebe Lous thematischen Schwerpunkt bildet nun nicht das Universum, sondern ganz weltliche, gesellschaftspolitische Themen. Sie singt über Feminismus und
Weiblichkeit, über Freiheit und Unabhängigkeit, über Erwartungen und Selbstbestimmung.

Alice Phoebe Lou schreibt starke Texte, schreckt nicht vor klaren Worten zurück, klagt das Patriarchat an und den maßlosen Konsum, einen Lebensstil, der die Erde zerstört. Sie hat keine Lust, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder zu sein, wie irgendjemand es sich von ihr wünscht. Sie schreibt ihre Texte mit Wut und mit Angst, mit Unsicherheit und Hoffnung, mit Herzklopfen und Überschwänglichkeit.

All das spurt man, wenn man ihre Songs hört, weil sie es schafft, Gefühle und Botschaften direkt auf ihr Publikum zu übertragen, wobei die „harte Schule“ als Straßenmusikerin (siehe unten) durchaus hilfreich war/ist. Live funktioniert das ohne Streuverlust – sie schafft aber auch das Kunststück, dass die Übertragung auch auf Platte gepresst fast unmittelbar funktioniert.

Mit 19 Jahren ist Alice Phoebe Lou von Südafrika nach Europa aufgebrochen und hat angefangen, Straßenmusik zu machen. Man kann sagen, sie ist auf den Straßen Berlins erwachsen geworden. Die Freiheit dieser Stadt war berauschend und sie tauchte kopfüber in diese kreative Welt ein. Mittlerweile ist sie 25, füllt weltweit Konzertsäle, tritt auf Festivals wie dem SXSW in Austin/Texas und Primavera in Barcelona auf.

Dennoch spielt sie immer noch und gerne auf der Straße. Es macht ihr Freude zu sehen, wie sie vorbeieilende Menschen zum Stehenbleiben bringen kann, wie sie diesen durch ihre Musik den Alltagsstress kurzzeitig vergessen lässt. So hat sie angefangen und so möchte sie weitermachen, egal, wohin ihr Weg sie führen wird.

Die Bandmitglieder sind alle Freunde, die Alice Phoebe Lou irgendwann auf ihrem Weg kennengelernt hat, kommen aus verschiedenen Orten der Welt und sind irgendwann in Berlin gestrandet. Wenn sie nicht gerade auf Tour ist, jammt sie gerne mit ihnen, spielt dann einfach, was ihr gerade in den Sinn kommt. Daraus entstehen viele ihrer Songs – aus einem Gefühl, aus einer Leichtigkeit heraus. Das hört man ihnen an. “My mind is filled with galaxies. It’s all I see” singt sie z.B. im in der Vorab-Single „Galaxies“.

Mit „Paper Castles“ ist Alice Phoebe Lou das – nicht selbstverständliche – Kunststück gelungen, mit dem zweiten Album nicht nur die Erwartungen, die „Orbit“ (2016) evoziert hat, zu erfüllen – sie demonstriert eindrucksvoll, über welch großes künstlerisches Potential sie verfügt. Anspieltipps „New Song“ und „Galaxies“. (Photo © River Cousin)