Projekt Beschreibung

Woche 36/2020

Amparo Sánchez

La Niña Y El Lobo (Manita Records)

Amparo Sánchez wurde 1969 in Alcalá la Real in der Region Granada geboren, wuchs dort in einer Zeit auf, in der Spanien seinen Weg aus der Franco-Diktatur hin zu einer eigenen Identität finden wollte. 2014 veröffentlichte die Amparanoia-Gründerin den autobiographischen Roman „La Niña y el Lobo“, der schonungslos von ihrer Jugend in der Region Granada erzählt. Mit dem gleichnamigen Album ist nun so etwas wie ein Soundtrack zu dieser, ihren weiteren Lebensweg stark bestimmenden harten Zeit erschienen.

Es ist die Geschichte eines 14-jährigen Mädchens, das sich in einen acht Jahre älteren Mann verliebt, den sie in ihrem Buch „Alejandro“ nennt und mit dem sie lange Jahre zusammenleben würde. Er eröffnete ihr die Welt des Rock’n’Rolls, der Drogen und allem, was damit zusammenhängt. „Ich war total verrückt nach ihm“, sagt Amparo, die mit 15 Jahren schwanger wurde und ihr Kind behielt, trotz der Forderung ihres Partners abzutreiben.

Als sie 17 war, heirateten die beiden und „für die nächsten zehn Jahre litt ich unter dem, was viele Frauen auf der Welt erleben: Einschüchterung, häusliche Gewalt, Angst und alle damit zusammenhängenden schlimmen Gefühle im Kontext von exzessivem Alkoholkonsum und anderen Drogen …Ich brauchte Jahre, zu verstehen, dass ich gehen muss“ so Amparo Sánchez mit dem Blick zurück.

Als sie dann bereit war, zog sie mit ihrem Sohn, ihrer Gitarre und einem Koffer 1995 nach Madrid, wo die beiden ein neues Leben begannen. Zuerst arbeitete sie als Kellnerin in unterschiedlichen Bars, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ihre Karriere als Musikerin weiterverfolgen zu können. Ihre prekäre Situation änderte sich, als sie Mestizo-Legende Manu Chao kennenlernte, der Amparo davon überzeugte, 1996 das erste Amparanoia-Album „El Poder de Machín“ zu veröffentlichen. Der Rest ist Geschichte – es folgten Tourneen und Festival-Auftritte in der ganzen Welt und viele weitere Alben mit Amparanoia und als Solokünstlerin.

Die Idee zum neuen Album entstand, als sie sich 2019 entschloss, von Barcelona zurück nach Granada zu ziehen: „Meine Mutter litt an Alzheimer und ich wollte in ihrer letzten Lebensphase näher bei ihr und meiner Familie sein.“ Kurz darauf verstarb die Mutter, Amparo Sánchez aber blieb in ihrer Heimat Andalusien. Sie traf sich mit Weggefährten aus der Flamenco-Szene wie den Gitarristen Víctor Iniesta Iglesias und Eduardo Espín Pacheco.

„Im Dezember 2019 gingen wir in ein Studio in Granada und begannen einfach mit den Aufnahmen,“ so Amparo. „Dort kam mir die Idee, die Songs einzuspielen, die mir während der schweren Jahre in Granada wichtig waren. Es fühlte sich wie das Zusammensetzen eines Puzzles an…“. Neun der zehn Songs auf ihrem mittlerweile vierten Soloalbum sind Coverversionen; dazu kommt mit dem unveröffentlichten Stück „Veneno“ eine Eigenkomposition. Alle Songs sind mit einer Geschichte verknüpft: mit dem Opener „Adoro“ von Armando Manzanero drückt Amparo zum einen ihren Respekt für die indigene Kultur Mexikos aus, aber er passt auch zu ihrem Leben.

Der Song spricht vom schwierigen ersten Teil einer Beziehung, „in dem du noch sehr verliebt in jemanden bist, obwohl du erste Anzeichen spürst, dass die Liebe eines Tages verschwinden wird“. Mit einer musikalischen „Statement“ endet „La Niña y el Lobo“, wenn Ampora Sánchez großartig Violeta Parras „Gracias a la Vida“ interpretiert. Weitere Anspieltipps: „Hace Un Año“ und der Los Lobos-Song „La Pistola Y El Corazón“. (Photo © ub-comm)