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Anthony Strong - Foto: © chateau-du-pop

Woche 18/2019

Anthony Strong

Me And My Radio (Guaranteed! Record)

Sein Singen ist wie ein Atmen, und er spielt Klavier, wie er singt; eine Art Fünfuhrtee mit einem Schuss Whisky. Der Londoner Pianist und Sänger Anthony Strong erfüllt mit Leichtigkeit – dank Maßanzug und dandyhaften Charme – die Rolle des klassischen englischen Gentlemans, erweckt den Swing mit einem fulminanten Kick zu neuem Leben und ist in seiner Heimat seit seinem Debüt „Guaranteed“ (2009), spätestens aber nach „Steppin Out“ (2013) ein Star – sein hierzulande (noch) etwas bekanntere Landsmann Jamie Cullum nannte ihn einen „great singer, great pianist“.

Angefangen hat der studierte Klassik- und Jazz-Pianist als Sideman etwa von Michael Bolton oder Jocelyn Brown, spielte Jerry Lee Lewis im Westend Musical „Million Dollar Quartet“, trat in diversen europäischen Fernsehshows auf oder begleitete Adrien Brody am Klavier beim Superbowl. Dass er aber ein eigenständiger Künstler, ein genau phrasierender Sänger, ein Musiker mit großem Gespür für Rhythmus und Dynamik und ein exzellenter Songwriter ist, stellte Strong unter anderem mit „Stepping Out“ unter Beweis, das die Nummer 1 der US iTunes Jazz Charts erreichte.

Sein neues (fünftes) Album „Me And My Radio“ ist Strongs „Mixtape des 21. Jahrhunderts“, wie er schmunzelnd zu Protokoll gibt; (s)eine persönliche Sammlung von zeitlosen Klassikern, die er für all jene zusammengestellt hat, die seine genreübergreifende Liebe zu guter Musik teilen und neugierig auf deren Interpretationen durch den Londoner sind. Ein Querschnitt der ganz persönlichen Anthony-Strong-Plattensammlung gewissermaßen.

Da hören wir Jazz und Blues ebenso wie Motown und Soul, Liebes-Lieblingslieder, die durch Ikonen wie Armstrong, Charlie Chaplin oder Ella Fitzgerald berühmt geworden sind. Stevie Wonder und Johnny Cash wollte Strong auch dabei haben, und unter all diesen Juwelen finden sich verstreut auch Originale, die durchaus aus einer vergangenen Zeit stammen könnten.

Das Repertoire auf „Me And My Radio“ ist so was von Old School, die Arrangements und Musiker aber sind im Hier und Jetzt. Ein Highlight des Albums ist sicher Strongs ebenso feinfühlige wie dynamische Interpretation des Jazzstandards „I Can’t Give You Antything But Love“ von Jimmy McHugh und Dorothy Fields, die das ganze Können des Briten eindrucksvoll demonstriert.

„Dabei gewinnt er jedem noch so abgenudelten Klassiker eine eigene Note ab, ohne übertriebenes Revoluzzertum oder krude Verfälschung“ schreibt das Portal aboutjazz.de. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Hören, Hören, Hören – gute Laune garantiert! Anspieltipps: „You To Me Are Everything“ und „Sixteen Tons“.

(Cover-Photo © chateau-du-pop)