Projekt Beschreibung

Woche 08/2021

Balthazar

Sand (PIAS)

Auf “Sand” präsentieren Balthazar eine gefühlvolle Indie-Pop-Umarmung, die mit elektronischen Lo-Fi-Anleihen gespickt und dabei insgesamt weniger mit melancholischen Fesseln vorbelastet ist, als der 2019er-Vorgänger “Fever”. Auf Albumlänge heben sie die Nuancen von Liebe, Verlust und Leben hervor und experimentieren mitunter auch mit für sie neuen Klängen und Sounds.

Auf ihrem fünften Album brilliert die belgische Indie-Pop-Band mit einer unverwechselbaren Mischung aus Indie-Gitarren-Groove und herrlichen Pop-Melodien. Auf “Sand” mischen sie ihrem groovigen Trademark-Sound mit ein paar neuen musikalischen Nuancen; Drum Samples, elektronische Lo-Fi-Spielereien oder vermehrt eingesetzte Synthie-Bässe lassen die Songs teilweise in Disko- oder Soul-Gefilde eintauchen.

Angeführt von Jinte Deprez und Maarten Devoldere, die sowohl als Songschreiber als auch als Frontmänner fungieren, stillen Balthazar weiterhin ihren Durst nach weniger starren Parametern, der sich während der Arbeit am Album „Fever“ ergab.

Die Verfeinerung ihrer Herangehensweise an das Schreiben, die anschließende Aufnahme und die eigenen Soloausflüge – Deprez unter dem Pseudonym J.Bernardt mit seinem R&B-beeinflussten “Running Days” und Devoldere mit dem launigen “Warhaus” – der fließende Prozess lieferte eine alternative und insgesamt weniger restriktive Blaupause. Eine, die zweifelsohne durch ihre eigenen Soloprojekte unterstützt wurde.

Maarten kommentiert: “Wir haben viele Dinge gemacht, die wir vorher nicht gemacht haben – wir haben noch nie so viele Drum-Samples oder Bass-Synthesizer verwendet. Das war also ein aufregender Schritt für uns.” Jinte wirft ein; “es war eine sehr moderne Art, ein Album zu machen, aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie und wir mussten aus der Ferne arbeiten und uns elektronisch unterhalten, anstatt in einem Studio.”

Daraus folgt, dass das neue Album, „befreit“ von den melancholischen Fesseln der Vergangenheit, diesen neu gefundenen Weg verfolgt und gleichzeitig den beiden Autoren und der Band ihr bisher kompaktestes Album gelingt.

Mit „Sand“, das die Nuancen von Liebe, Verlust und Leben hervorhebt, erreicht das Autorenduo Devoldere und Deprez neue Höhen, etwa mit dem großartigen Song „On A Roll“, der aber nur einer von vielen ist. Der unverwechselbarem Gesang von Maarten Devoldere und Jinte Deprez in „You Won’t Come Around“ ist ein weiters Highlight, während das schwärmerische „Linger On“ noch mehr Pop-Glückseligkeit bietet.

Das Artwork des Albums zeigt ein Werk der bekannten niederländischen Bildhauerin Margriet Van Breevort, die sich auf hyperrealistische Skulpturen spezialisiert hat. Die Skulptur mit dem Titel Humunculus Loxodontus, auch bekannt als „The One Who Waits“, stellt, wie Maarten Devoldere erklärt, “die Art und Weise dar, wie man sich fühlt, wenn man in einem Wartezimmer sitzt, gezwungen ist zu warten und sich gleichzeitig selbstbewusst und unbeholfen fühlt. Je mehr wir darüber recherchierten, desto mehr passte es zu der Idee des Albums”.

Ein surreales und etwas befremdliches Bild – schwer zu fassen, genau wie die charakteristische cineastische Instrumentierung, die Pop-Energie und die Melodien, die die musikalische Welt von Balthazar bevölkern.

Wie die beiden abschließend sagen “gibt es ein Thema, das sich durch diese Tracks zieht, das Warten, die Rastlosigkeit, nicht in der Lage zu sein, im Moment zu leben oder sein Vertrauen in die Zukunft zu setzen. Wir sind an einem Punkt in unserem Leben, an dem wir über diese Aspekte des Lebens nachdenken müssen, deshalb heißt das Album auch „Sand“, eine Analogie zum Sand in einer Sanduhr.” Anspieltipps: „Powerless“ und „You Won’t Come Around“. (Photo © PIAS)