Project Description

Ben Barritt / Everybody’s Welcome - Foto: © ub-comm.de

Woche 15/2019

Ben Barritt

Everybody’s Welcome (Musszo Records)

Ben Barritt liebt zeitlose und facettenreiche Songs, die über die üblichen Pop-Horizonte hinausschauen. Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber – 1984 in London geboren und seit Jahren in der dortigen Szene fest verankert – hat mit Persönlichkeiten wie Bobby McFerrin und Kenny Wheeler gearbeitet, auf der Bühne der ehrwürdigen Royal Albert Hall geglänzt, für Bands wie Holler My Dear als Produzent gearbeitet und Tourneen durch Europa und Asien unternommen. Nach seinem bislang letzten, 2016 erschienenen Album spielte er allein in Deutschland über 100 Konzerte.

Auf „Everybody’s Welcome“ steckt Ben Barritt nun musikalisch, atmosphärisch und soundästhetisch weite Spannungsfelder ab. Inspirieren lässt er sich dabei von britischen Folk- und Folkrock-Ikonen wie Nick Drake und John Martyn, von Stevie Wonders Gospel-Funk, den Ideen der Pop-Denker Steely Dan und Joni Mitchells wegweisenden Kooperationen mit Jazz-Stars.

Barritts Kompositionen kommen mit eingängigen, unaufdringlich schönen Melodien und unerwarteten Harmoniewechseln daher; ausgefeilte und dynamische Arrangements belohnen mehrfaches Hören mit immer neuen Entdeckungen. Die Songs vereinen den warmen, intimen Klang der akustischen Gitarre, subtile Vignetten der E-Gitarre, Klavier, Rhodes-Piano und analogen Moog-Synthesizer, funky Riffs und offensiv groovende Basslinien.

Bläsersätze, kleine Soli von Trompete oder Saxophon und eine zeitgemäße Produktion mit brillantem Sound runden „Everybody’s Welcome“ ab. Der Klangteppich der bis zu sieben Musiker/innen, die Substanz der Songs sowie Barritts nachdenkliche Texte wirken im besten Sinne „sophisticated“, weit entfernt von der bisweilen zynischen Haltung des aktuellen Pop.

2010 kam Ben Barritt als Musiker in der Band von Jim Kroft erstmals nach Berlin, freundete sich schnell mit der Stadt und deren Lebensstil an und verlegte 2013 seinen Hauptwohnsitz hierher. Verglichen mit der Lebenssituation in der „Metropole des Geldes“ empfindet Barritt Berlin als Paradies. „Das Leben hier hat mir ein Gefühl der Freiheit gegeben“, stellt er fest. „Ich empfinde mich heute als aufgeschlossener und weniger zornig. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Künstler in Deutschland auch dann respektiert werden, wenn sie sich kommerziell nicht auf höchstem Niveau bewegen.“

Manche Songs auf „Everybody’s Welcome“ reflektieren den Ortswechsel, gleichwohl ist er nicht das bestimmende Thema des Albums. „Man lernt viel über sich selbst und die eigene Kultur, wenn man auswärts lebt“, sagt Barritt, „womöglich hatte das einen Effekt auf meine Musik. Grundsätzlich ist es so, dass ich nun die Möglichkeit hatte, das Album genau so zu gestalten, wie ich es wollte.“

„You needn’t speak too loudly to let your meaning show“, singt Ben Barritt in „Lamplighter“, dem ersten Titel des Albums. Aus dem Kontext des Songs herausgelöst steht die Zeile für Barritts grundsätzliche Haltung, die viele seiner nachdenklichen Texte prägt. Sein politisches Bewusstsein umgeht allerdings Zeigefinger und direkte Ratschläge, stattdessen kreiert Barritt als Autor eine Atmosphäre, die Hörer dazu einlädt, über Dinge nachzudenken. Anspieltipps: „Giant Step“ und „Westbound“.

Foto: ub-comm.de