Projekt Beschreibung

Woche 08/2022

Black Sea Dahu

I Am My Mother (Mouth Waterng Records)

Am Anfang war das Gedicht: Jannie Cathrein schrieb und schrieb, fasziniert von der Tatsache, Gefühle in Worte umzusetzen und so berühren zu können. Sie wäre wohl im Journalismus oder mit der Geige am Konservatorium gelandet, doch da kam die Gitarre ins Spiel: Kaum angezupft, eröffnete sich eine neue Welt. Fortan übte und komponierte die Zürcher Fahrradkurierin ununterbrochen, verband ihre Worte mit Klängen: der Ursprung von Black Sea Dahu. Jener Name verbindet Cathrein‘s Liebe zum Surfen mit dem Schweizer Fabelwesen Dahu, welches unterschiedlich lange Beine besitzt – ein sehnsüchtiges wie schräges Bild.

Das neue Album „I Am My Mother“ (VÖ 25.2.2022) der Züricher Band um Sängerin, Gitarristin, Songschreiberin Janine Cathrein ist eine Platte über Empathie, Akzeptanz und die Kunst, die Schönheit im nie endenden Tanz zwischen dem Hässlichen und dem Erhabenen zu erkennen.

Es geht darum, seine Wurzeln und seinen Platz in einer Welt zu finden, die immer im Wandel ist. Es geht um Handlungsfähigkeit und Selbstermächtigung. Es geht um alle Arten von Beziehungen: Liebe, Familie, Gesellschaft… Aber im Grunde ist es ein leidenschaftlicher und offener Liebesbrief an die Musik. „In meiner Welt gibt es kein 1+1=2! So einfach ist es eben nicht. Die Dinge gehen nicht auf, und ich versuche, das mit meiner Musik zu erzählen“, sagt Janine Cathrein.

Das Material auf dieser LP stammt aus einer Vielzahl loser Ideen, die in den letzten Jahren vor allem auf Tour entstanden sind: schnelle Notizen auf dem Laptop oder kurze Memos, die mit dem Handy aufgenommen wurden, meist beim Soundcheck. Was diese Platte von früheren Veröffentlichungen der Band unterscheidet, ist ihr weitläufiger, Soundtrack-artiger, orchestraler Sound und Umfang.

Laut Janine Cathrein war dies eine klare und beständige Vision, von der sie sich bei der Aufnahme der Songs leiten ließ. Die finale Session dauerte 23 arbeitsintensive Tage und fand in einem Studio in Biel, Schweiz, statt. Alles wurde selbst aufgenommen, auch die Streicher Arrangements! Jedes einzelne Streichinstrument wurde von Janine und ihrem Bruder Simon eingespielt.

Die magische Zutat, die diese Musik so einzigartig macht, ist definitiv die Chemie in der Band, zu der neben Janine und Simon auch deren Schwester Vera gehört. So kann man nur spielen, wenn man ständig zusammen auf Tour war und durch
dick und dünn eine Art von Telepathie entwickelt hat. Die Freude und Verspieltheit der Band ist überall zu hören; und man hört auch, dass vieles von dem, was aufgenommen wurde, spontan entstanden ist, durch Synchronität oder das, was man als glückliche Zufälle bezeichnen könnte.

Auf „Affection“ singt Janine: „Ich habe mich von innen nach außen gekehrt (…) Ich habe mein gebrochenes Herz in deine Hände gelegt“. Dies ist der Schlüssel zur gesamten Platte, nicht nur in Bezug auf das Maß an Ehrlichkeit und die Verletzlichkeit, die die Songschreiberin an den Tag legt, sondern auch in Bezug auf die Tatsache, dass es in vielen dieser Songs um mehr geht, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Anspieltipps: „Human Kind“ und „Make The Seasons Change“. (Photo © Backseat PR)