Projekt Beschreibung

Woche 27/2020

Céu

APKA! (Six Degrees Records)

Die in São Paulo geborene brasilianische Sängerin und Songwriterin Maria do Céu Whitaker Poças veröffentlicht unter ihrem Künstlernamen Céu („Himmel“) seit 2005 Alben und ist in ihrem Heimatland eine der erfolgreichsten Musikerinnen. 2006 wurde sie für den Latin Grammy als “best new artist” nominiert, 2008 gewann sie den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. In Céu’s Musik verschmelzen Einflüsse aus Samba, Choro, Soul, Rhythm and Blues, Hip-Hop, Afrobeat und Electro-Pop.

„APKÁ!“ (mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen), das fünfte Album von Céu, fasst den bisherigen Werdegang der Sängerin und Komponistin zusammen, ist ein eher minimalistisches Album, das klangliche, thematische, musikalische und konzeptuelle Extreme vereint und eine Künstlerin präsentiert, die sich an die musikalischen Reisen früherer Platten durchaus erinnert, aber auch bereit ist, eine neue Phase ihrer Karriere zu beginnen.

Der Titel des Albums stammt von Céus jüngstem Kind Antonino, ist ein Wort, das vom Einjährigen gerufen wurde, um seine vollkommene Zufriedenheit auszudrücken. Lächelnd und glücklich ruft Céus Sohn das seltsame erfundene Wort, um zu demonstrieren, dass er mit allem zufrieden ist, von einer Mahlzeit bis zu einem Spiel. Es ist eine Mischung aus Aufregung und Dankbarkeit. Auf seine Weise tut „APKÁ!“ genau das – in Form von Musik.

Auf dem Stück “Off (Sad Siri)” beginnt Céu das musikalische „Gewand“ zu enthüllen, aus dem ihr neues Werk besteht. Weinende Keyboards und eine melancholische Gitarre verbinden sich mit ihrem geflüsterten Gesang, der sich mit dem des kongolesischen Sängers Leonardo Matumona, einem der wenigen Gastmusiker auf der Platte, vermischt.

Bei „APKÁ!“ arbeitet das gleiche Team, das auch an Céus gefeiertem Vorgängeralbum „Tropix“ gearbeitet hat: Der französische Musiker Hervé Salters von der Band General Elektriks wieder als Koproduzent und Keyboarder, der langjährige Bassist Lucas Martins und Pupillo an Schlagzeug, Programming und Koproduktion, Gitarrist Pedro Sá vervollständigt das Quartett, das Céu auf fast allen Stücken des neuen Albums begleitet.

Céus bisherige Aufnahmen könnte man in Form von spezifischen Landschaften zusammenfassen. Während ihr Debütalbum ihre anfängliche Palette an Einflüssen (Samba, Reggae, Rock, MPB, Soul, Pop und afrikanische Musik) präsentierte, reiste sie auf ihren späteren Veröffentlichungen musikalisch durch verschiedene Umgebungen – fast alle davon imaginär.

„Vagarosa“ wanderte durch eine Reggae- / Dub-Landschaft, „Caravan Sereia Bloom“ erforschte die Wüste und die staubige Landstraße, „Tropix“ war synthetisch und auf die Tanzfläche ausgerichtet. „APKÁ!“ bringt diese verschiedenen Welten zusammen und präsentiert gleichzeitig neue musikalische Erfahrungen. Auf der Platte experimentiert Céu mit neuen Kompositionsformen und neuen Techniken, ihre Stimme einzusetzen. Es ist offensichtlich, dass sie immer mehr Vertrauen in ihre künstlerische Persönlichkeit hat.

Ein gutes Beispiel für dieses neue Selbstvertrauen sind die beiden Coversongs auf dem Album, ein ungewöhnlicher Schritt für Céu, die einer ganzen Generation von brasilianischen Sängerinnen gezeigt hat, dass es möglich ist, sein eigenes Material zu komponieren, anstatt nur eine Interpretin des klassischen Repertoires zu sein. Mit „APKÁ!“ erfindet sich Céu neu als Interpretin unveröffentlichter Kompositionen, die sie bei zwei verschiedenen Komponisten – Caetano Veloso und Dinho von der Gruppe Boogarins – in Auftrag gegeben hat.

“Pardo” von Caetano erhält eine fast magische Eigenschaft, da Céu Seu Jorge einlud, den Chor des Stücks ohne Worte summend zu singen. “Make Sure Your Head is Above” war eine Bitte an Dinho, ein Stück in englischer Sprache zu komponieren. Das Ergebnis ist einer der zentralen Momente des Albums und wird von einem Special Guest, dem amerikanischen Gitarristen Marc Ribot, begleitet.

Bei beiden Coversongs schafft Céu einzigartige Klanguniversen, indem sie ihre Stimme mit den anderen Instrumenten verwebt und dem Material auch als Interpretin ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt. Anspieltipps: “Corpocontinente” und “Make Sure Your Head is Above”. (Photo © wagmueller-pr)