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Cyrille Aimée / Move On: A Sondheim Adventure2019-02-18T09:44:53+00:00

Project Description

Photo © Mack Avenue

Woche 08/2019

Cyrille Aimée

Move On: A Sondheim Adventure (Mack Avenue Records)

Seine erfolgreichen Arbeiten (u.a. die Texte für Bernsteins West Side Story) basieren auf der Fähigkeit des Broadway-Komponisten und -Texters Stephen Sondheim, universelle menschliche Emotionen auch in Form der ungewöhnlichsten Charaktere auszuloten – seien es Präsidentenmörder oder Märchenhexen.

Die französische (in Brooklyn lebende) Sängerin Cyrille Aimée erkannte dieses Potential, als sie begann sich intensiv mit dem „Sondheim Liederbuch“ für ihr neues Album „Move On: Ein Sondheim-Adventure“ zu beschäftigen. Was als Hommage für einen legendären Broadway-Songwriter begann, wurde zu einer Art kathartischer Autobiographie, da Song für Song ihre tiefsten persönlichen Gefühle widerspiegelte.

„Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur daran denke“, sagt Aimée. „In dem Moment, als ich an diesem Album arbeitete, erlebte ich viele Veränderungen in meinem Leben. Je mehr ich mir die Songs anhörte, desto mehr wurde mir klar, dass sie wirklich mit dem verbunden waren, was ich gerade durchmachte. In einer sehr schwierigen Zeit retteten mich diese Lieder.“

Cyrille Aimée kannte vor dieser Erfahrung so gut wie nichts von Sondheims Werk. Broadway-Musicals sind eher kein herausragender Teil der Kultur in ihrem Heimatland Frankreich, wo sie von ihrem französischen Vater und ihrer dominikanischen Mutter mit einer Fülle unterschiedlicher Musik vertraut gemacht wurde: von Michael Jackson bis zum französischen Chanson, von Flamenco bis zum Country-Western.
Sie verbrachte ihre Kindheit damit, sich aus der elterlichen Wohnung hinauszuschleichen, um in nahegelegenen Zigeunerlagern zu singen, dann schärfte sie ihre Talente, indem sie an Straßenecken in Europa sang und dem berüchtigten, unnachgiebigen Publikum im Apollo Theatre in New York trotzte.

Es wirkt fast so, als würde Aimée’s Geschichte in den Songs von „Move On“ …“ durch Sondheims tiefgründige Texte erzählt werden. Allerdings wäre sie nicht in der Lage gewesen, sich auf die ursprünglichen Form der Songs zu beschränken, trotz allen Respekts diesem Komponisten und Texters gegenüber. Jedem Song auf dem Album nähert sich Cyrille Aimée, die eklektischen Einflüsse zwar widerspiegelnd, aber doch auf ganzpersönliche Art und Weise.

Der Tatsache, dass Stephen Sondheim behauptet, nichts über Jazz zu wissen entgegnet Aimée: „Seine Musik ist so reich an Harmonien und die Melodien sind so kompliziert. Ich mag es nicht, der Musik irgendwelche Namen zu geben, aber was auch immer der Jazz tut, seine Musik macht es auch“. Mit „Move On: A Sondheim Adventure“ hat sich die Sängerin zwar nicht neu erfunden, präsentiert aber einen spannenden, für Kenner ihrer bisherigen Alben auch durchaus überraschenden „Beweis“ ihrer künstlerischen Bandbreite. Anspieltipps: „Being Alive“ und „I Remember“. (Photo © Mack Avenue)