On
Air
Jetzt live hören
Dotschy Reinhardt / Chaplin’s Secret“2018-12-17T10:22:56+02:00

Project Description

(Photo: © Galileo MC)

Woche 51/2018

Dotschy Reinhardt

Chaplin’s Secret“ (Galileo MC)

Dotschy Reinhardt ist direkte Nachfahrin und gehört damit zur Familie des legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt. Ihre Musik speist sich sowohl aus dem traditionellen Jazz, den lebhaften Gipsy-Swing im Stil des Hotclub de France, aber auch aus Bossa-Einflüssen und durchaus Elementen der populären Singer-Songwriter Bewegung.

Nun ist nach „Sprinkled Eyes“ (2006), „Suni“ (2008) und „Pani Sindhu“ (2012) mit „Chaplin’s Secret“ ihr viertes Studio-Album erschienen, evoziert durch eine „Geschichte“, die in den 90ern den Weg in den Boulevard fand: 1991 entdeckte Charlie Chaplins Tochter Victoria einen Brief, den ihr Vater in seiner Nachttischschublade verwahrte. Jack Hill, Verfasser des Briefes, klärte den Schauspieler über dessen wahren Geburtsort auf, der nicht, wie Chaplin in seiner Autobiographie beschrieb, in London, sondern Black Patch in Smethwick war.

Black Patch war zu Zeiten Chaplins Geburt eine große, von Bäumen umsäumte Wiese auf dem Romany People (also Sinti und Roma) und Schausteller mit ihren Wohnwägen campierten. In einem ebensolchen soll er 1889 als Sohn einer Artistin, die im Zirkus ihres Vaters durch England zog und schließlich in London landete, das Licht der Welt erblickt haben.

Nicht nur Charlie Chaplins Liebe zur Musik, möglicherweise auch seine Abstammung, verbinden einen der einflussreichsten Künstler und Komiker der Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts mit der Musikerin und Autorin Dotschy Reinhardt, die sich als Menschenrechtsaktivistin seit Jahren gegen die Diskriminierung der Sinti und Roma einsetzt.

Dotschy Reinhardt nimmt Chaplins Geheimnis als Ausgangspunkt, um mit einer Mischung aus Eigenkompositionen und ausgewählten Standards, zu denen auch „Swing Little Girl“ von Charlie Chaplin gehört, ihren musikalischen Wurzeln, Vorbildern und Einflüssen, die vom Hot Club Swing Django Reinhardts bis hin zum Singer/Songwriter Pop reichen (siehe oben), gerecht zu werden.

„Chaplin’s Secret“ ist auch ein Aufruf zur Solidarisierung mit Minderheiten, die immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Wie auf den vorherigen Alben singt Dotschy wieder einen Song in Romanes, der Sprache der Sinti und Roma, und will damit ermutigen, zur eigenen Kultur und Sprache zu stehen. Wie bunt, vielfältig und schön die Welt sein kann, wenn vermeintlich fremde Kulturen ihren Platz in unserer Gesellschaft finden, zeigt die Wahlberlinerin nicht zuletzt mit ihrer international besetzten Band, zu der Musiker aus Schweden, Sibirien, der Ukraine, Australien, Italien und Israel gehören.

Seit „Sprinkled Eyes“, dem Debüt 2006 ist die Stimme, ihre Phrasierung noch ausgereifter geworden, mit „Chaplin’s Secret“ demonstriert Dotschy Reinhardt eindrucksvoll, über welch vielfältigen künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten sie verfügt – bei aller Vielfalt ist aber immer auch hörbar, wo ihre tiefsten musikalischen Wurzeln liegen. Anspieltipps: „Last Time This Year“ und „Not Now Maybe Then“. (Photo: © Galileo MC)