Projekt Beschreibung

Woche 42/2020

Elvis Perkins

Creation Myths (MIR, Petaluma, Redeye/Bertus)

Der amerikanische Singer/Songwriter und Folk-Musiker Elvis Perkins veröffentlicht am 16. Oktober sein 4. Album “Creation Myths”. 2007 startete der Sohn des Schauspieler-Paars Anthony Perkins (Alfred Hitchcocks Psycho) und Berry Berenson (Katzenmenschen) seine Musikerkarriere mit dem Debütalbum “Ash Wednesday”, auf dem er den Tod seiner Mutter thematisierte. Sie kam als Passagier eines der Flugzeuge ums Leben, die am 11.9.2001 in die Türme des Word Trade Centers gesteuert wurden. Auch den Krankheitstod seines Vaters verarbeitet der 1976 in New York geborene Perkins in seinen Songs.

Nach fünfjähriger Pause – in der Perkins vor allem (erfolgreich) Filmmusiken geschrieben hat – steht nun am 16.10. die Veröffentlichung des Albums „Creation Myths” an. Darauf hat er sich als Kosmopolit etabliert und lässt auf künstlerisch ansprechende Weise diverse Einflüsse zu einem überzeugenden Werk voller musikalischer Raffinesse verschmelzen.

Hinter „Creation Myths“ steckt – anders als der Titel zunächst vermuten lässt – keine vergleichbare Entstehungsgeschichte wie beim Debüt. Die Platte ist vielmehr eine Sammlung von Songs, die bereits seit langem als Demos oder spannende Open-Mic-Mitschnitte vor sich hin existierten, die nun zusammen mit dem Produzenten Sam Cohen neu arrangiert und zu opulentem Country-Kammerpop verdichtet wurden.

Die Wahl Cohens, der zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Kevin Morby auf sich aufmerksam machte, erweist sich hierbei für Perkins als absoluter Glücksgriff: Während auf dem Vorgängeralbum „I Aubade“ (2015) der Ideenreichtum seines Songwritings stellenweise noch die Zumutbarkeitsgrenze zu reißen drohte, wird der kreative Überschwang auf „Creation Myths“ mittels Studiomagie elegant eingehegt.

Selbst ansatzlose Tempowechsel wie in „See Monkey“ oder die Tonartmodulation im Refrain von „Iris“ wirken hier nicht affektiert, sondern erscheinen als notwendige Momente auf einem vor Kreativität pulsierenden Album. Neben der Songstrukturen trägt sicher auch die breite Palette eingesetzter Instrumente zur großzügigen Wirkung der Platte bei.

Ähnlich wie bei früheren Sufjan Stevens Alben beschwören die neun Songs durch allerlei musikalische Obskuritäten wie Sitar, Waldhorn, Vibraphon und Chorsätze eine kauzige Vielfalt herauf, die auch beim wiederholten Hören noch neue Facetten entdecken lässt. Es ist eben diese Großzügigkeit, durch die der facettenreiche Retro-Pop des Albums letztlich doch ein gewisses filmisches Potential entfaltet, auch wenn dieses Mal nicht die Musik zu den Bildern, sondern die Bilder zur Musik gesucht werden müssten.

Elvis Perkins‘ Rückblick nach vorne überzeugt durchaus, legt er doch gleichzeitig seine musikalischen Wurzeln offen. „Creation Myths“ wuselt durch die Anfänge – teils verklärt, teils schonungslos ehrlich, stets unterhaltsam. Das weit geöffnete Archiv bietet faszinierende Einblicke in das große Früher und zugleich richtig gute Songs für Jetzt und Übermorgen. Anspieltipps: „Anonymous“ und „See Monkey“. (Photo © Bertus)