Project Description

Photo: © uk-promotion.de

Woche 39/2019

Evelyn Huber & Sirius Quartet

Para Un Mejor Mundo – For A Better World (GLM)

Ein Ausgangspunkt für dieses Album lag darin, dass Evelyn Huber sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben wollte, obwohl oder vielleicht gerade weil sie zur ersten Generation der Harfenistinnen und Harfenisten gehört, die ihr Instrument aus dem Korsett der Klassik befreit und ihm neue Klangfarben, Ausdrucksformen und Einsatzformen beschert haben.

Schon parallel zu ihrem klassischen Studium an der Münchner Musikhochschule und der anschließenden Lehrtätigkeit dort wie an der Guildhall School of Music in London besuchte sie Jazz-Workshops in den USA und begann mit den verschiedensten Bands und Ensembles zu spielen, etwa mit dem Klezmer-König Giora Feidman oder dem Saxofonisten Mulo Francel, der sie 2008 schließlich auch fest zu Quadro Nuevo holte, Deutschlands erfolgreichster Welt- und Salonmusik-Band.

Vielfach preisgekrönt – unter anderem gewann sie den Bayerischen Kulturpreis und mit Quadro Nuevo zwei Mal den Echo Jazz -, ununterbrochen unterwegs und ausnehmend erfolgreich, wollte Evelyn Huber vor ein paar Jahren doch noch weiter über den Tellerrand hinausschauen und Kompositionsunterricht nehmen, der über den erlernten klassischen Tonsatz hinausgeht. Der befreundete Komponist und Musikwissenschaftler Enjott Schneider empfahl ihr einen Lehrer aus dem Jazzfach, der günstigerweise gerade eine Professur in München angetreten hatte: Gregor Hübner.

Der vom Bodensee stammende Geiger und Pianist Hübner lebt eigentlich seit über 20 Jahren mit seiner Familie in New York, die wohl passendste Stadt für einen grenzüberschreitenden Generalisten wie ihn. Einer, der klassische Violine und Jazzpiano in Wien, Stuttgart und schließlich der Manhattan School of Music studierte und der schon währenddessen in den verschiedensten Konstellationen erfolgreich musizierte – bei Tango Five, einem der erfolgreichsten Ensembles des modernen Tango, mit seinem Bruder Veit in der immer noch bestehenden Spaßband Berta Epple, im Dominic Duvall String Quartet, oder im Kammerorchester Philharmonia Virtuosi.

Wegweisend – besonders für eine neue, gelungene Verschmelzung von Klassik und Jazz – war seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem New Yorker Pianisten Richie Beirach in dessen Trio, unter anderem bekam man für das Album „Round About Mompou“ eine Grammy-Nominierung. Gerne und oft spielte Hübner in Latin Bands, immer wichtiger wurden dann aber seine eigenen Ensembles, u.a. sein inzwischen auf mehreren Alben dokumentiertes Projekt El Violin Latino und eben das gleichberechtigte Kollektiv Sirius Quartet, das 2007 in der legendären New Yorker Knitting Factory sein Debüt gab.

Es nimmt nicht Wunder, dass aus den ersten „Unterrichtsstunden“ der beiden, bei denen man an einigen von Hubers Kompositionen arbeitete, schnell der Wunsch nach einer weitergehenden Zusammenarbeit entsprang. Das Sirius Quartet in der aktuellen Besetzung mit Fung Chern Hwei und Gregor Hübner an den Violinen, Ron Lawrence an der Viola und Jeremy Harman am Cello erschien als das ideale Medium für einen innovativen Umgang mit diesem in dieser stilistisch offenen Konstellation wohl bislang einzigartigen Saiteninstrumentarium.

Nach einiger Vorbereitungszeit traf man sich also – um sich auf Anhieb musikalisch wie menschlich blendend zu verstehen. So nahm das Projekt „Para Un Mejor Mundo“ Gestalt an. Jeder brachte Stücke mit, die er/sie für diese Besetzung als ideale Herausforderung ansah: u.a. Jeremy Harman seine Komposition „Currents“, Fung Chern Hwei sein ruhiges „Ceili“, Evelyn Huber ihr „Nilade“. Alle gemeinsam fanden schließlich Astor Piazzollas „Oblivion“ unverzichtbar. Und Gregor Hübner schließlich steuerte unter anderem Federico Mompous herzzerreißende „Impressiones intimas“ bei – und komponierte den Titelsong, seinen durchaus sentimentalen musikalischen Aufruf für eine bessere Welt.

Und so entstand ein magisches, schillerndes Kaleidoskop der musikalischen Möglichkeiten, wie sie die außergewöhnliche, ohne Auflagen angegangene Begegnung eines Streichquartetts mit einer Harfe bietet. Mal filigran ausgeklügelte Klanggeflechte, mal spontane Zwiesprachen zwischen den Instrumenten, mal elegische Impressionen, mal dynamische Rhythmusattacken. Ein so noch nicht gehörter Klangkosmos erklingt da. Anspieltipps: „Para Un Mejor Mundo“ und „Currents“. (Photo © uk-promotion.de)