Projekt Beschreibung

Woche 41/2021

Fabiana Striffler

Archiotíc (Traumton)

Vor rund drei Jahren verblüffte Fabiana Striffler mit ihrem Album „Sweet And So Solitary“ Publikum und Medien. Das Jazzpodium widmete der Geigerin und Komponistin aus Berlin eine Doppelseite und nannte ihre Musik einen „faszinierenden Klangkosmos“, der Deutschlandfunk resümierte: „Eigensinnig ist das gesamte Album von Fabiana Striffler, manchmal auch fordernd und störrisch.“

Das Magazin Concerto befand, „solche Lieder würde Gustav Mahler vielleicht komponieren, hätte ihn eine Zeitmaschine ins frühe 21. Jahrhundert katapultiert: geheimnisvoll strahlend, berührend und voll von unerhörten Klängen.“ Und selbst in England stieß Striffler auf Resonanz, etwa in Hifi Critic: „It takes great skill to make something sound so profound and so grotesque at the same time.“

Das aktuelle Album „Archiotíc“ knüpft in Teilen an den Vorgänger an, in vieler Hinsicht geht Fabiana Striffler aber auch andere Wege. Konsequenter denn je überquert sie Stilgrenzen, lässt auf selten gehörte Art Virtuosität und Humor in Komposition und Ausführung umeinander tänzeln. Einen substanziellen Beitrag dazu leistet die neu zusammengestellte Band hochkarätiger und ungemein beweglicher Musiker/innen.

Vereinzelte Bezüge zu Modernisten der europäischen Klassik (Strawinski, Bartók) suggerieren Strifflers facettenreiches Violinspiel und die nicht minder freigeistige Cellistin Julia Biłat (Stegreif Orchester u.a.), mit der Striffler seit 2017 arbeitet. Der Keyboarder Jörg Hochapfel sorgt seit Jahren mit unkonventionellem Witz im genresprengenden Andromeda Mega Express Orchestra für schräge Überraschungen, zudem gilt er als äußerst sensibler Begleiter – beide Talente zeigt er auch in Strifflers Band. Max Andrzejewski (dr) und Paul Santner (g, b) gehören zu den markanten Persönlichkeiten des zeitgenössischen, in viele Richtungen offenen Jazz, für den die Berliner Szene europaweit bekannt ist.

Schließlich hat Strifflers Langzeitpartner Greg Cohen (Tom Waits, John Zorn u.a.) vor allem als Produzent maßgebliche Spuren auf dem Album hinterlassen.
In Strifflers Kompositionen steckt eine klare Haltung, man könnte auch sagen, eine philosophische Botschaft. „Ich möchte etwas kreieren, das die Menschen öffnet. In Coronazeiten hat sich das Phänomen noch mehr verstärkt, dass Leute sich aus dem Weg gehen. Ich möchte dem Trend zur Entfremdung und Anonymisierung etwas Persönliches entgegensetzen.“

Dass auf Archiotíc – anders als früher – nicht gesungen wird, hatte Fabiana Striffler anfangs nicht geplant. Doch dann erwies sich ein instrumentales Konzept als wesentlich stimmiger. Der Reichtum an Klangfarben ist auch ohne Stimmen enorm, ebenso die Spannweite und Suggestionskraft von Strifflers Stücken. Anspieltipps: „Archiotic“ und „Maraschino Cherries“ (Photo © Traumton / Kerkau Promotion)