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Flexkögel / America2018-10-22T08:55:41+00:00

Project Description

Woche 43/2018

Flexkögel

America (Timezone)

Sängerin Britta-Ann Flechsenhar und Gitarrist Christian Kögel sind seit mehr als anderthalb Jahrzehnten auch als Flexkögel unterwegs. „America“ ist ihr drittes Album und beginnt wie der Soundtrack zu einem urbanen Film Noir, der mit vorauseilender Erinnerung spielt – da muss doch schon was vor uns gewesen sein…

Konturen und Farbtöne werden angedeutet, etwas Kantiges, Zugespitztes, aber auch Leichtes, entspannt Farbiges und Unaufgeregtes deutet sich an. Was folgt, ist eine Reihe kurzweiliger Songs über Leben und Liebe in der Großstadt. Einige dieser Songs mögen uns bekannt vorkommen. Und nur lange genug im Gedächtniskasten gekramt, wird auffallen, dass sie von Leonard Bernstein stammen – jenem Leonard Bernstein, der Mahler dirigiert und die „West Side Story“ geschrieben hat.

Seine Lieder sind längst zu Standards geworden, eine amerikanische Beschönigung für das im Deutschen so verpönte Wort „Schlager“. Von jedem dieser Songs gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende von Versionen. Gibt es einen Grund, die Welt damit noch ein weiteres Mal zu beglücken? Flexkögel haben diesbezüglich überhaupt keine Berührungsängste. Was soll’s, wo liegt schon der Unterschied, ob ein Lied tausend Mal oder noch nie gesungen wurde. Ein guter Song bleibt immer ein guter Song.

Britta-Ann Flechsenhar und Christian Kögel kamen auf ganz unterschiedlichen Wegen zu Bernstein. Die Sängerin über den Umweg von Tom Waits, der Gitarrist über eine Begegnung mit Bernstein als Dirigent und charismatischer Musikvermittler im Fernsehen. Selbst wenn der Komponist der „West Side Story“ sie seitdem nie mehr loslassen wollte, hatten sie doch nie die Absicht, ein ganzes Album mit Bernstein-Songs zu machen.

Und so ist diese CD auch überhaupt nicht als Tribute zu verstehen. „Wir haben ja auch schon andere Songs bearbeitet“, erzählt Christian Kögel. „Oft  geht einer solchen Annäherung ja der Impuls einer eigenen Idee voraus, die dann auf ein schon bestehendes Stück hinausläuft, mit dem man sie verbinden kann. So haben wir bereits auf unserem ersten Album Bernsteins „Somewhere“ arrangiert. Bis wir uns fragten, warum nicht mal mehr Bernstein.“

Dass die Songs eine Vorgeschichte haben, ist auf diesem Album ganz unerheblich. Flexkögel entkernen sie und befreien sie von der Last der Vergangenheit. Sie haben alles Mögliche ausprobiert, um am Ende das Meiste davon wieder zu verwerfen. „Eigentlich haben wir die ganze Zeit nur weggeschmissen“, sagt Britta-Ann Flechsenhar lachend.

In der Kombination von Leichtigkeit und Beiläufigkeit erlangen sie die Freiheit, mit den Songs zu machen, was für sie selbst wichtig ist, ohne die Demut vor den Originalen zu verlieren. Es ist ganz und gar Bernstein und doch auch wieder überhaupt nicht.

Die Songs sind extrem reduziert und auf ein ebenso griffiges wie infektiöses,, akustisches Taschen-Format gebracht, das verblüffend gut in alle nur denkbaren Facetten des urbanen Alltags von heute passt. Diese New Yorker Gassenhauer haben einen langen Weg hinter sich, um in diesen von jeder Eitelkeit befreiten Fassungen den Eindruck zu erwecken, sie wären direkt dem Berliner Bordstein abgelauscht.

Mit Bassist Paul Kleber und Drummer Hans Otto springen Britta-Ann Flechsenhar und Christian Kögel lustvoll, sinnlich und selbstbewusst über alle äußeren Grenzen von Jazz und Pop hinweg und drücken ihrem Lebensumfeld ihren ureigenen Stempel auf. Anspieltipps: „Lonely Town“ und „Jet Song“.