Projekt Beschreibung

Woche 09/2021

Frank Wingold

TO Be Frank (Berthold)

Nach seinem von der Kritik vielgelobten Trio-Album „Entangled Music“ legt der Kölner Gitarrist und Komponist Frank Wingold mit einem Soloalbum nach und führt auf „To Be Frank“ einige der Ideen fort, die er auf „Entangled Music“ umgesetzt hatte.

Allen voran seine Fähigkeit, als Solospieler einen mehrstimmigen Sound zu kreieren. „Ich liebe Synchronizität. Ereignisse, die zur gleichen Zeit passieren und die sich miteinander vereinen und verzahnen“, erklärt Wingold, der als Professor für Jazzgitarre an der Musikhochschule Osnabrück lehrt, und ergänzt: „Am besten funktioniert das, wenn ich mich einfach nur hinsetze und drauf los spiele. Ohne technische Effekte oder Hilfsmittel – abgesehen von einem Verstärker vielleicht.“

Mittlerweile spielt er 7-saitige Gitarren, mit denen er aus einem umfangreicheren und tieferen Klangspektrum schöpfen kann. Auf diese Weise kann er seine Gitarre auf ähnliche Art wie ein Klavier spielen. Wingold selbst spricht sogar von einem „orchestralen Ansatz“ seines Instruments.

Dazu verwendet er zwei 7-saitige Gitarren mit unterschiedlicher Wirkung. Eine Archtop-Jazzgitarre und eine klassische Gitarre mit Nylonsaiten. „Statt der klassischen Plektrumtechnik benutze ich meine Finger und Fingernägel. So habe ich – auch wenn ich Melodien spiele – schnellen Zugriff auf sämtliche Saiten. Ob Melodie, Akkorde, polyphone Passagen oder Arpeggios – ich brauche meine Technik nicht zu ändern“.

Mit viel Gefühl erschafft Wingold auf diese Weise einen Sound, bei dem die normalerweise festgelegten Rollen (Bass, Melodie und Akkorde) aufgehoben sind. „Ein Ansatz, der schon oft von Jazzpianisten, aber nur selten von Gitarristen aufgegriffen wurde. Ich möchte solche Konzepte auf die Gitarre übertragen.“ So wie auf „To Be Frank“, das jeweils zur Hälfte aus Improvisationen und Kompositionen besteht.

Die Improvisationen – bei dem komplett auf Overdubs verzichtet wurde – verdeutlichen seinen spielerischen Ansatz. „Ich wollte luftig gehaltene Fragmente zusammenbringen, die aus wenig oder überhaupt nicht vorbereitetem Material bestehen. Einzelne Skizzen oder Motive, die nicht arrangiert oder komponiert sind“, so Wingold.

Entsprechend sieht er diese Improvisationen nicht als vorbereitete Aufnahmen, sondern als spontane Performances, die sich durch ihre beeindruckenden, dramaturgischen Spannungsbögen auszeichnen.
Die meisten der übrigen Stücke sind Adaptionen oder Standards. Neben Bluesgitarristen der 1930er und 1940er Jahre wie Reverend Gary Davis und Mississippi John Hurt haben Wingold diverse Konzertgitarristen beeinflusst.

Er ist der festen Überzeugung, dass längst noch nicht alle Möglichkeiten des Gitarrenspiels ausgeschöpft sind. Auf „To Be Frank“ kombiniert Frank Wingold Virtuosität mit einer Vielzahl musikalischer Einflüsse, mit denen er seinem Publikum ein ebenso unterhaltsames, wie anspruchsvolles Musikerlebnis beschert. Anspieltipps: „Escapade“ und „My Shining Hour“. (Photo © uk-promotion)