Projekt Beschreibung

Woche 43/2020

Frida

Freedom Of Flight (Jazzsick Records)

Drei Stimmen (Julia Ehninger, Sara Decker, Mascha Corman), Bass (Conrad Noll) und Schlagzeug (Jeroen Truyen) – schon auf den ersten Blick wird das Besondere dieses Quintetts offensichtlich. Die ungewöhnliche Besetzung ist aber nur ein charakteristisches Markenzeichen der Band, ein weiteres ist Fridas Repertoire.

Auf ihrem Debütalbum „Freedom of Flight“ (VÖ 16.10.2020) präsentiert Frida intensive Poesie-Vertonungen, individuelle Neudeutungen von Pop-Hits und eigene Kompositionen. Allen gemeinsam ist dieser spezielle Frida-Sound: Hier die oft glockenklaren, manchmal geradezu schwebenden, dann wieder nachdrücklichen oder lautmalerischen Stimmen. Dort ein knurrig-holziger, zuweilen absichtsvoll rau gestrichener Kontrabass und ein pointiert und dynamisch gespieltes Schlagzeug.

„Da wir kein Harmonieinstrument in der Band haben, klingt die Musik extrem transparent und direkt“, stellt Julia Ehninger fest. Die wandlungsfähige, mitunter spielerische Klangsprache des Albums ist zudem geprägt von warmen Timbres, die in manchen Variationen zugespitzt oder gebrochen werden, und von vielen unvorhersehbaren Wechseln.

Es gibt lyrische Momente und kraftvolle Melodien, rhythmische Phrasierungen und Improvisationen. Frida nimmt sich die Freiheit zu einer ungewohnten Vielfalt, die in den vergangenen zwei Jahren viel Beifall bekommen hat. „Bei unseren Konzerten merken wir immer, dass wir nicht nur Jazzfans ansprechen, sondern durch die vermeintlich vertrauten Songs auch Anknüpfungspunkte für ein Pop-Publikum bieten – welches sich dann begeistert auf unsere Variationen einlässt“, sagt Ehninger.

Die stilistische Spannweite reflektiert die unterschiedlichen Persönlichkeiten des Quintetts. „Freedom of Flight“ vereint nicht nur Songs und Texte aus unterschiedlichen Epochen und Lebensabschnitten“, konstatiert Mascha Corman, „sondern auch die Perspektiven und Vorlieben der einzelnen Bandmitglieder.“ Und Drummer Jeroen Truyen ergänzt: „Frida ist ein Kind der 90er Jahre. Sie verarbeitet die prägende Musik aus ihrer Jugend und ihre Emotionen dazu.“

Eine derartige Hommage kann nach hinten losgehen, wenn sie in Schwelgerei oder gar Nostalgie erstarrt. Nichts dergleichen ist bei Frida zu erkennen, stattdessen aber ein entschlossener Gestaltungswille. Selbst aus Gassenhauern wie „Baby One More Time“ und „Time After Time“ schlägt das Quintett ungeahnte neue Funken.

Souverän setzen Mascha Corman, Sara Decker und Julia Ehninger ihre versierte Gesangskunst ein und verzichten dabei bewusst auf jedes dramatisierende Pathos oder vordergründig auftrumpfende Stimmgewalt. Lieber beeindrucken sie mit subtilen Nuancen und mal fragilen, mal kraftvollen Details.

Das Thema Freiheit findet sich in einigen der ausgewählten Songtexte, ebenso wie Motive von Hoffnung und Vergänglichkeit. Mascha Kalékos „Kein Kinderlied“, zu dem Sara Decker die Musik geschrieben hat, kreist um die bis heute aktuelle Sehnsucht nach Heimat, dem Gefühl des Fremdseins und einer inneren Leere. Julia Ehningers „You Cover Yourself“ beschäftigt sich ausdrücklich mit dem Zeitgeist, symbolisiert durch einen Menschen, der andere verachtet, um seine Angst und seinen Selbsthass zu lindern.

Alle Stücke der CD wurden vor dem Studiotermin in Konzerten weiterentwickelt, ausgefeilt und auf den Punkt gebracht. Kein Wunder, dass die Aufnahmen nun gleichermaßen durch Präzision und Lebendigkeit beeindrucken. Die Wechsel von eleganten Facetten und unkonventionellen Ausdrucksformen, das interaktive Setzen und Weitergeben von Impulsen in offenen, improvisierten Passagen, die Spannweite von zärtlichen Passagen bis zu abstrakten Expressionen macht Fridas „Freedom of Flight“ zu einem spannenden Album mit Strahlkraft über Deutschlands Grenzen hinaus. Anspieltipps: „Time After Time“ und „Have You Got A Brook In Your Little Heart“.

(Photo © Kilian Amrehn / uk-promotion)