Projekt Beschreibung

Woche 15/2021

Fried Dähn

Now & Then (flavoredtune records)

Der Cellist, Elektro-Cellist, Komponist, Klangtüftler und „Instrumentenerfinder“ Fried Dähn gehört zu den Künstlern, denen es gelingt, Tradition und Moderne in sich zu vereinen. Ob klassische oder neueste elektronische Klänge, Komposition oder Improvisation: ständiges Suchen nach neuen Ausdrucksformen, gepaart mit Virtuosität und spontanem Erfindungsreichtum im Umgang mit seinem Instrumentarium zeichnen ihn als einen der vielseitigsten und innovativsten Cellisten der Gegenwart aus.

Geboren 1958 in Tübingen, aufgewachsen in einem musikalischen Elternhaus, folgte ein klassisches Violoncello-Studium bei Johannes Goritzki an der Musikhochschule in Düsseldorf, welches er mit Auszeichnung beendet. Tourneen führten ihn anschließend in die Volksrepublik China, nach Russland, die USA, nach Brasilien und in alle wichtigen Musikzentren Europas.

In den Jahren 1990-93 war er Cellist im Ensemble Modern in Frankfurt, wo er die Gelegenheit hatte, mit Künstlern wie K.-H. Stockhausen, Ornette Coleman und Frank Zappa (Yellow Shark u.a.) zu arbeiten. Parallel dazu entwickelt er ein elektrisches Cello und startet seine eigenen musikalischen Projekte in den Bereichen elektronische und experimentelle Musik, Jazz und Improvisation.

Er ist auf zahlreichen Tonträgern vertreten, vom klassischen Cellokonzert und klassischer Kammermusik, Neuer Musik, Jazz und Elektronischer Musik bis zu experimentellem Rock und eigenen Kompositionen für Electric Cello. Nun hat Fried Dähn mit „Now & Then“ ein weiteres Solo-Album eingespielt, solo im besten Sinne des Wortes.

Der tiefergelegte Bass des Cellos bahnt sich den Weg durch die Nacht, ein Digeridoo-Sound brummelt archaisch dazu, bevor sich einer dieser leichthändigen Melodiebögen Fried Dähns über einen kniffligen Groove legt und alles bündelt, was den Tübinger E Werker und dieses Album auszeichnet. Dähn verhehlt bei der musikalischen Umsetzung seiner kompositorischen Ideen nicht, dass er in den 70er Jahren musikalisch im Spagat zwischen Klassik, dem guten alten Jazzrock oder sperrigen Giganten wie einem Frank Zappa sozialisiert wurde.

Doch Dähn, der als Mitglied des legendären Ensemble Modern mit „Yellow Shark“ das letzte zu Lebzeiten erschienene Frank-Zappa-Album einspielen durfte und seither mit unterschiedlichsten Projekten zwischen Jazz, Avantgarde, Weltmusik und Klassik starke Marker setzen konnte, ist auch stets süchtig nach Neuem und dem künstlerischen Impetus, herauszufinden, was im Bereich der elektronischen Musik möglich ist.

Was lässt sich aus einem mitentwickelten0 E-Cello mit modernster Technik am Instrument selbst herausholen? Welche Möglichkeiten bieten Loop-Maschinen, Sampler und viele andere technische Innovationen? Experimentierfreudig und ohne Limits bewegt sich der klassisch geschulte Cellist auf seinem im wahrsten Sinne des Wortes Solo-Album mitten hinein in den pulsierenden Kern eines musikalischen Universums, das sich in den vergangenen Jahren exponentiell erweitert hat.

Mit „Now & Then“ legt Fried Dähn ein Album vor, das diese o.g. Fragen eindrucksvoll beantwortet, ein Album, das einerseits nicht wirklich leichte Kost ist, anderseits ein faszinierendes Kaleidoskop von Dähns musikalischen Ideen präsentiert. Ein Album, auf das man sich zunächst einlassen muss, das dann mit einer wahren Klangvielfalt in den Bann zieht. Anspieltipps: „Last Order“ und „Mesh“. (Photo © uk-promotion.net)