Project Description

Woche 41/2018

Gérald Toto

Sway (No Format/Indigo)

Zuletzt war Gérald Toto auf dem Album „Bondeko“ von Toto Bona Lokua zu hören, das Anfang 2018 erschienen ist und die Stimmen dieser drei großen Musiker – Lokua Kanza, Richard Bona und Gérald Toto – miteinander vereint. Dieses Album war aber nur ein neues Kapitel in Totos lange anhaltender Karriere.

Er wurde 1967 in Frankreich geboren. Seine Eltern stammen aus Martinique und waren von Beruf Steuerbeamte, aber privat leidenschaftliche Musikliebhaber. Die Vinylsammlung der Totos war wie Manna für Gérald, und das Haus rüttelte und schüttelte sich im Rhythmus von amerikanischem Soul, afro-karibischer Tanzmusik, kongolesischem Soukous und Makossa aus Kamerun.

Das Radio bot ihm dazu eine Ausbildung in Pop und Rock und so stammte Géralds erstes selbst erstandenes Album von Pink Floyd. Es folgten Neil Young, Bob Marley und ein großes Interesse an Jazz. Mit zehn Jahren spielte er Gitarre, gefolgt vom Bass, einem Instrument, das ihn stets fasziniert hat. Ein Studentendarlehen nutzte er, um ein Heimstudio zu finanzieren, in dem er – in seinen eigenen Worten – vom Laborassistenten zum voll ausgebildeten „Mad Scientist of Sound“ wurde.

In den 1990er Jahren wuchs er zu einem Musikabenteurer heran, der neben seinen eigenen atmosphärischen und experimentellen Alben mit so unterschiedlichen Künstlern wie dem algerischen Raï-Sänger Faudel, der Pariser Pop-Band Nouvelle Vague und dem Elektro-Futuristen Smadj aus dem Nahen Osten kooperierte.

Mit „Sway“ erscheint nun ein weiteres Soloalbum von Gérald Toto, dessen Songs sich auf ruhigem, betörend subtilem Weg ins Bewusstsein hinein schleichen. Sanft und melodisch, geschmeidig und mit vielen feinen Nuancen versehen, nimmt „Sway“ die Hörer mit auf eine imaginäre Reise in eine Welt des Innehaltens und der Beobachtung, eine Welt, in der der frenetische Krawall der Moderne zu einem sanften Säuseln wird.

Dabei scheinen Totos Songs aus einer nie versiegenden Quelle frischer Luft und Sonnenscheins zu schöpfen, die den Hörer in eine zeitlose Träumerei hinein versetzen. Anspieltipps: „Umbaka“ und „Alger 69“.