Projekt Beschreibung

Photo © broken silence

Woche 05/2020

Habib Koité

Kharifa (Contre-Jour)

Der Gitarrist und Sänger Habib Koité ist in seiner Heimat Mali ein Superstar, aber sicher auch einer der bekanntesten zeitgenössischen Musiker aus ganz Afrika. 1958 geboren, ist er im westafrikanischen Mali als eines von 17 Geschwistern in einer Kassonké-Griot-Familie aufgewachsen, in der schon früh sein musikalisches Talent auffiel. Kaum studierte er am „Institut National des Arts“ in Bamako, war er auch schon Leiter der Schulband und knüpfte während seines Studiums, das er als Klassenbester absolvierte, Kontakte zu bekannten malischen Musikern.

Als Gitarrist versucht er sich früh an pentatonischen und offenen Stimmungen, erkundete die unzähligen lokalen Musiktraditionen seines Landes genauso, wie er sich für die aktuelle internationale Musik interessierte. Schon früh hat er die Leitidee, die traditionelle Musik als Grundlage zu betrachten, aber etwas Neues und Eigenes daraus entstehen zu lassen.

Habib Koité nimmt sich Zeit. Lässt man seine Liveaufnahmen und „Brothers In Bamako“ mit Eric Bibb außen vor, ist „Kharifa“ sein sechstes Studioalbum – das Debüt „Muso Ko“ wurde bereits 1995 veröffentlicht. Dass der malische Gitarrist und Sänger seitdem gereift ist und sich weiterentwickelt hat, steht außer Frage, doch stets hält er eine enge Verbindung zu den lokalen Musikstilen seiner Heimat.

„Kharifa“ wurde in Bamako aufgenommen und abgemischt, und die reiche und vielfältige Musiktradition kommt nicht allein durch Instrumente wie N‘goni, Flöte, Kora, Doundoun, Djembe oder Calabash zur Geltung. Neben seiner Band Bamada wirken zahlreiche Gastmusiker auf den zwölf Songs mit –  nicht nur Habibs Neffe M’Bouille Koité, auch sein Sohn Cheick Tidane Koité, der auf „iVazi“ neben dem Leadgesang auch Bass und Keyboards übernahm.

Der legendäre Kora-Spieler Toumani Dianeté gastiert auf „Forever“, Amy Sacko, die Sängerin von Ngoni Ba, der Band von Bassekou Kouyate ist als Backgroundsängerin auf „Symbo“ zu hören, wie auch Abou Sissoko, ebenfalls von Ngoni. Dem Album „Kharifa“ gelingt mit seinen zwölf Songs perfekt die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart – wunderbar melodischer Afro-Pop und -Folk, der zudem im Hier und Jetzt stattfindet.

Und das auch ohne die Probleme wie Umweltverschmutzung, Armut, Krankheit oder Müßiggang zu verleugnen, mit denen seine Heimat stetig zu kämpfen hat, ihnen stellt sich Koité entschlossen und optimistisch entgegen. Während „Mandé“ noch Versöhnung fordert, thematisiert der Opener „Wara“ das Leben als einen täglichen Kampf, und in „Kharifa“ wird Rechenschaftspflicht und Verantwortung gefordert.

Fünf Jahre nach seinem letzten Studioalbum „Soô“ gelingt Habib Koité mit  „Kharifa“ ein Meisterwerk, das durch zeitlos brillante Harmonien und Rhythmen überzeugt – authentische Kunst, die vehenebt für Verständigung und Toleranz eintritt und musikalisch-lyrische Bande zwischen den Kulturen knüpft. Anspieltipps: „Mande“ und „Tanate“. (Photo © broken silence)