Project Description

Cover: Hanna Köpf / Cinnamon - (c) uk-promotion

Woche 24/2019

Hanna Köpf

Cinnamon (GLM/Soulfood)

Natürlich ist Hannah Köpf nicht Norah Jones! Der musikalische Kosmos aber, den die Kölner Singer/Songwriterin auf ihrem vierten Album „Cinnamon“ präsentiert, muss sich vor der Sängerin von der anderen Atlantikseite nicht zu verstecken. Folk, New-Orleans-Soul, Americana, Jazz und Southern Country klingen bei Hannah Köpf so natürlich, als habe sie schon als Kind nie etwas anderes gehört als diese uramerikanischen Gattungen.

Köpf hat den Lyrics dieses Mal mehr Zeit denn je gewidmet, und sich dabei auch an US-KünstlerInnen orientiert. „Texten ist harte Arbeit, ein echtes Handwerk“, sagt die 1980 geborene studierte Jazz-Sängerin. Bei Versuchen, nach der Art bestimmter Songwriting-Stile zu komponieren, entstand eine Hommage an die weitgehend unbekannte Singer/Songwriterin Judee Sill: „Fools and Fallen Angels“. Die Zeile „Cheer the fool while the angels fall“ ist als direkte Anspielung auf handelnde US-Politiker zu verstehen, die mäßigende Stimmen ignorieren.

„Ich möchte mit meinen Texten Emotionen wecken“, sagt Köpf. „Aber auch politisch schreiben, ohne dass man es gleich merkt. Man fragt sich schon: was ist das für eine Welt, in der meine Tochter aufwachsen muss?“ Seit zwei Jahren ist Hannah Köpf Mutter. Ihre ohnehin stark persönlich gefärbten Texte hat das geprägt. „Golden Leaves“ nimmt die Perspektive ihrer Tochter ein, und wie sie später womöglich über ihre Eltern denken mag. Der Titelsong „Cinnamon“ beschreibt den Proustschen Madeleine-Moment der Singer/Songwriterin: der Geruch von Zimt transportiert sie sofort in ihre Kindheit und in die Küche der Großmutter.

Der brillantklare Gesang von Hannah Köpf, ihre Fähigkeit, mit ihrer Stimme mühelos Genregrenzen zu überschreiten. Alles daran ist richtig. Doch ist es ebenso bemerkenswert, mit wie viel Dynamik, Wucht und Soul diese Songs musikalisch gestaltet sind. Kurz – mit einem Können, wie man es sonst bei Bands mit solch beschränktem Produktions-Budget selten hört.

Schon 2015 hat Köpf begonnen, mit ihrem Partner Tim Dudek im eigenen Studio aufzunehmen. Dudek, studierter Drummer, der mit Jazz-Assen wie Axel Fischbacher ebenso tourt wie mit der eigenen Pop-Band Luciel, kompoierte die Musik und war für Produktion, Aufnahme und das Mixing zuständig. Das Duo wird unterstützt von einer Schar bekannter Musiker wie Gitarrist Hanno Busch oder Pianist Sebastian Sternal.
Es ist diese Liebe zum Detail, die das Album so besonders macht. Das zierliche Cello von Nathan Bontrager, oder das Tenorsaxophon von Denis Gäbel, der auf der Hälfte der Songs zu hören ist, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.

Neben Joni-Mitchell-inspirierten Balladen wie „Golden Leaves“ hat das Duo Köpf/Dudek einige beachtliche Uptempo-Songs komponiert: „There When You Need Me“ mit feinstem Soul im New-Orleans-Stil – Handclaps, swingendes Piano und triumphal bluesige Bläserarrangements, die vom Bigband-erfahrenen Dietmar Mensinger (Tom Gaebel) stammen. „Zum ersten Mal bin ich vollkommen happy mit einem Album. Es passt alles, bei jedem Song“ so Hannah Köpfs „Urteil“ über „Cinnamon“. Anspieltipps: „Wait And Hope“ und „Paper Boat“