Project Description

Hilde Louise Red Lips - Foto: © Ozella

Woche 21/2019

Hilde Louise Asbjørnsen

Red Lips, Knuckles and Bones (Songways/Ozella Music)

Hilde Louise Asbjørnsen ist eine Team-Playerin: „Mein wichtigstes Instrument sind die Leute, mit denen ich zusammenarbeite“, sagt sie, und doch mutet „Red Lips, Knuckles and Bones“ fast wie ein Solo-Projekt an. Hatte Asbjørnsen auf dem Vorgänger „Don’t Stay for Breakfast“ noch viele Entscheidungen bewusst abgegeben, drückte sie diesmal jedem noch so kleinen Detail ihren Stempel auf, von den Texten und Arrangements bis hin zu den Grooves.

Zehn Alben in 15 Jahren hat die Norwegerin inzwischen aufgenommen – dies ist sicherlich ihr persönlichstes. Eingebettet ist „Red Lips, Knuckles and Bones“ immerhin in ein vertrautes Umfeld: Ihr vierköpfiges „Orchestra“ spielt gewohnt tight auf und bereichert viele Songs um packende Soli. Und wie immer stand ihr mit Anders Aarum ein langjähriger Songwriting-Partner zur Seite.

Doch war sein Einfluss diesmal eher subtil. So reiste sie mit Aarum zwar nach Budapest, um sich eine Woche lang ausschließlich der Musik zu widmen. Doch arbeiteten die beiden dort vornehmlich an ihren eigenen Projekten: „Ich war in Budapest fast ausschließlich von fremden Leuten umgeben“, so Hilde Louise, „Die Einsamkeit hat mich beim Schreiben noch freier gemacht.“

Eben diese Freiheit war für sie schon immer ein zentrales Anliegen: „Zu Anfang wollte ich Songs schreiben wie Cole Porter und die Musiker der Tin Pan Alley. Aber ich hatte noch nie Jazz gesungen. Erst über die Auseinandersetzung mit den großen Vorbildern habe ich mich als Künstlerin gefunden.“ Und so spickt sie ihre Tracks immer wieder mit unkonventionellen Zutaten: Ska und Chansons, Rock und Americana sowie dezente Elektronik. Auf „Red Lips, Knuckles and Bones“ wagt sie sich sogar an den Klassiker „Lazy Afternoon“, den sie wie kaum je zuvor gehört interpretiert.

Ihre eigenen Songs bieten tiefe Einblicke in eine schmerzhafte Zeit. Viele der Geschichten auf dem Album sind geprägt von einem Jahr, in dem sie in wenigen Monaten drei wichtige Freunde verloren hat, darunter den politisch engagierten Grafiker Hariton Pushwagner. Ihr Tribut an ihn ist das von Sozialkritik durchzogene „Pink Pushwagon“ mit Textzeilen wie „War pigs still draining childhood dreams / Short-trading heartbeats and sunbeams“.

Dem steht der selbstbewusste Opener „Red Lips“ gegenüber, eine kleine Hymne auf ihre unnachahmliche Ausstrahlung. Überhaupt ist auf dem Album beileibe nicht alles Tragik und Trübsal. „Don’t be clever, just swing“, heißt es im mitreißenden „A Swing of ist Own“. Und genau das macht Hilde Louise auf „Red Lips, Knuckles and Bones“ so leidenschaftlich, als wäre dieses Album ihr erstes. Anspietipps: „Water Wall“ und „Never Know You Too Well“. (Photo © Ozella)