Projekt Beschreibung

Woche 24/2021

Jeanette Hubert

Home (Waterfall Records)

Auf ihrem neuen Album „Home“ (VÖ 28.5.) präsentiert Jeanette Hubert elf Songs zwischen Melancholie und Augenzwinkern, die mit luftigen, jazzigen Arrangements und eindringlichen Melodien ihren ausdrucksstarken Gesang zur Geltung bringen. Entstanden in einem Prozess über die vergangenen Jahre, ist das Album ein Zeugnis ihrer künstlerischen Unabhängigkeit und Selbstfindung.

Alle Stücke sind von ihr geschrieben und produziert, nahezu alle Instrumente selbst eingespielt. Als kämpferische Autodidaktin manövriert sich die Berlinerin außerdem schon immer kreuz und quer durch ein buntes Leben. Zwischen dem Komponieren von Musik für Theaterprojekte, vielfältigen Licht- und Tontechnikjobs, wie beispielsweise für „TV Noir“, sowie offener Jugendarbeit sammelt sie Inspirationen, Erfahrungen und Geschichten ein, die sie mit nach Hause nimmt.

Und zuhause ist für Jeanette Hubert eine ganze Welt. Zuhause bedeutet Reisen, Suchen, Finden, Weglaufen und wieder Ankommen. Zuhause ist Sehnen, Freuen, Trauern. Zuhause ist das einzigartige Gefühl, irgendwo ganz zu sein. Zuhause, das ist ihre Musik.

Alles begann vor ein paar Jahren auf ihrem Sofa mit Kaffee und einer Gitarre. Geblendet von der grellen, einfallenden Herbstsonne nach einer langen Nacht mit Freunden, entstand in nur wenigen Minuten „By My Side“ – ein Song, bei dem man sich gedanklich in eine Jazzbar versetzen möchte, um der sanft-rauchigen Stimme der Sängerin zu lauschen.

Statt wie sonst davon einfach eine Audioskizze festzuhalten, entschied sich Jeanette spontan zu einer aufwendigeren Demoaufnahme und filmte diese. In den folgenden Tagen fügte sie weitere Instrumente und Stimmen auf die gleiche Weise hinzu und stellte das Ergebnis als One-Woman-Band-Video ins Netz, woraufhin ihre Fans sich mehr „solche“ Songs wünschten.

Hochmotiviert begann Jeanette, ihre damalige Kreuzberger Einzimmerwohnung in ein Tonstudio umzuwandeln, um fortan komplett in Eigenregie zu produzieren. Sie nahm dabei bewusst in Kauf, dass dieser Prozess ohne professionelle Umgebung erst einmal viele ungeschliffene Ecken und Kanten mit sich brachte. Dem konnte sie jedoch gleichzeitig mit viel Liebe zum Detail entgegenwirken, um so eine ganz persönliche Perfektion zu erreichen.

Nicht alles entstand dabei zwingend in ihrem realen Zuhause. Für Flügelaufnahmen schloss sie sich zum Beispiel eine Nacht lang im Berliner BKA-Theater ein, wo sie zu dieser Zeit als Licht- und Tontechnikerin tätig war. Dabei entstanden unter anderem das sehr reduzierte „Of Keepers and Runners“ oder „Homeless“. Letzteres spiegelt zum Abschluss des Albums nicht nur musikalisch seine dynamische Entwicklung wider, sondern lässt auch die Kernidee im Raum stehen, dass Zuhause überall dort sein kann, wo man es finden möchte.

Manche Songs wie „Moonlight“ schrieb sie in Hotelzimmern oder wo auch immer sie gerade ihre Inspiration fand, die mobile Aufnahmetechnik stets im Gepäck. Insgesamt arbeitete sie parallel an etwa 30 Songs – jedoch zunächst ohne eine bestimmte Zielvorgabe; die Stücke sollten sich entfalten und ihren Weg alleine finden.

Viele der Texte handeln von Begegnungen – zwischen Liebenden wie in „Hurricane“, „in dem sich das lyrische Ich als Herzensbrecher bekennt und sich am Ende fragt, warum es so smart ist und trotzdem sein eigenes Herz nicht knacken kann“, so Jeanette Hubert. Oder einem Zusammentreffen von Freunden nach langen Jahren, bei dem beide Seiten merken, wie sehr sie sich auseinandergelebt haben“ in dem Song „Strangers“.

Bevor Jeanette Hubert das Album vollenden konnte, kam dann das Leben in all seiner Schönheit dazwischen – mit der Geburt ihres Sohnes. Dessen Vater Klas Yngborn traf sie ebenfalls auf diesem langen Weg. Er trug als Begleiter an ihrer Seite mit seiner Stimme, am Klavier und am Schlagzeug einige musikalische Ergänzungen bei. Abgemischt wurde alles dann von Johannes Saal (u.a. Alin Coen, Erlend Øye, Super700) in Südfrankreich, das Mastering kam von Eroc (Grobschnitt).

Gänzlich ungeplant spiegelt „Home“ auch ein Leitthema unserer Gegenwart wider, wonach sich das Leben und die Arbeit vermehrt in die eigenen vier Wände verlagert. Es ist eine gewisse Ironie des Schicksals, dass das Album ausgerechnet jetzt gereift ist und erscheinen kann, aber in seiner Ausgeglichenheit und Nahbarkeit ist es auch ein wunderbares Hörerlebnis für diese Zeit – Musik für das wohlige Gefühl, sich in jeder Hinsicht zuhause zu fühlen und die Welt da draußen für einen Moment zu vergessen. Anspieltipps: „Us“ und „Nowaday“. (Photo © ub-comm)