Projekt Beschreibung

Woche 20/2021

Johanna Klein Quartet

Cosmos (Berthold Records)

Egal auf welchen Wellenlängen wir in den interstellaren Funkverkehr reinzuhorchen versuchen, egal in welche Himmelsrichtung wir unsere Radioteleskope ausrichteten: Außer Rauschen bislang nichts. Selbst also Musik aussenden, durch sie ausdrücken, wie wir unsere Welt wahrnehmen und welche Gefühle wir in uns tragen.

„Der Albumtitel Cosmos steht für das Zusammenwirken von Ordnung und Chaos in meiner Musik“, sagt Saxofonistin Johanna Klein. Die Wahl-Kölnerin erinnert ihr Instrument in vielerlei Hinsicht an die menschliche Stimme. „Beide sind Mittel zum Ausdruck von Emotionen, Gefühlen und Gedanken“, beschreibt Klein die entsprechenden Parallelen.

Mit Blick auf den Albumtitel erklärt sie: „Der Begriff Kosmos funktioniert auf drei Ebenen. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet Ordnung – ein komplexes und geordnetes System, das im Gegensatz zu den Begriffen „Chaos“ oder „Freiheit“ steht. Als Jazz-Musiker stellt man sich oft die Frage, wieviel man im Vorfeld festlegt und wieviel künstlerische oder improvisatorische Freiheiten man lässt. Zweitens bezieht es sich auf den Kosmos als Universum. Seine Farben, Himmelskörper, die Explosionen, Magnet- und Gravitationsfelder – das alles inspiriert mich. Und dann ist da, als dritte Ebene, der Mikrokosmos – die kleine Welt der Menschen. In meiner Vorstellung ist jeder von einem Mikrokosmos umgeben. Auf diesem Album möchte ich meinen vorstellen.“

Eingespielt hat Johanna Klein „Cosmos“ mit drei hochkarätigen Kölner Musikern – Leo Engels (g), Nicolai Amrehn (b) und Jan Philipp (dr) komplettieren ihr Quartett. „Die Drei spielen mit sehr viel Expressivität und Sensibilität. Sie verstehen es, meine musikalischen Ideen umzusetzen und mit zu formen – dafür bin ich sehr dankbar“, lobt die Bandleaderin die Qualitäten ihrer Spielgefährten.

Ihre musikalischen Ideen, die häufig beim Spazierengehen entstehen, hält sie meistens auf dem Klavier oder ihrem Smartphone fest und vervollständigt sie dann an ihrem Instrument. Ihr Saxofonspiel fällt weniger in die Kategorie „laut und hochvirtuos“, dennoch ist ihr Sound überaus feinsinnig und kraftvoll. Andrew D’Angelo, Christian Weidner und Ornette Coleman sind als Einflüsse deutlich zu hören, manchmal wird sie auch mit Paul Desmond verglichen.

Zusammen mit ihren Quartett-Kollegen, mit denen sie die Grenze zwischen den Musikgenres verschwimmen lässt, konnte sie 2019 den jazz@undesigned award gewinnen. Im Rahmen des damit verbundenen Stipendiums entstand „Cosmos“, eine gehaltvolle Mischung aus durchdachter, anspruchsvoller und hochgradig unterhaltsamer Musik. Anspieltipps: „Noctem“ und „Eden“. (Photo © uk-promotion)