On
Air
Jetzt live hören
Johannes Haage Drift / Darwin’s Blues2019-01-21T10:23:09+00:00

Project Description

DRIFT-DARWINS_BLUES_COVER - Artwork by Angelika Arendt / Design by Liz Kozack

Woche 04/2019

Johannes Haage Drift

Darwin’s Blues (Shoebill Music/Broken Silence)

„Darwin´s Blues“ ist das zweite Album des Berliner Trios um den Gitarristen Johannes Haage und präsentiert neue Kompositionen des Gitarristen und des Schlagzeugers Joe Smith, die in vielfacher Hinsicht eine Weiterentwicklung des Vorgängers „Drift“ (2016) sind. Dazu sind auf dem Album beide Bassisten zu hören, die derzeit aktiv involviert sind: Sowohl Gründungsmitglied Matthias Pichler (Wolfgang Muthspiel Trio, Marc Copland etc.) als auch Oliver Potratz (Klima Kalima, Helen Schneider, etc.).

Die Songs auf „Darwin´s Blues“ sind vielschichtiger, abwechslungsreicher, anspruchsvoller geworden, erweitern das bisher rein akustische Klangkonzept durch Elemente wie Overdubs, Loops und elektronische Modifikation, und eröffnen neue Wege im konzertanten Umgang mit dem Material.

Es geht um die stets neue, gemeinsame Entwicklung des teils sparsam instrumentierten Materials im spontan-improvisatorischen Raum, wobei die Musik von karg zu verdichtet, von Song-Strukturen zu freierer Improvisation driftet, dabei jedoch immer der Melodie des jeweiligen Stücks und der Einzigartigkeit des Moments treu bleibt. Die drei Musiker sind zu jeder Zeit gleichberechtigte improvisatorische Akteuere, die die Musik gemeinsam entstehen lassen, ohne dabei ihre individuellen technischen Fähigkeiten in den Vordergrund spielen zu müssen.

„Darwin´s Blues“ hat seinen Namen erst relativ spät erhalten, nach einem langen Entwicklungs- bzw. Evolutionsprozess in der Probenarbeit. „Es ist das einzige Stück auf der Platte, das in einem klassischen Swing feel gehalten ist, und auf das ich im Nachhinein durchgehend eine zweite begleitende Gitarrenspur aufgenommen habe – auch wenn man die vielleicht nicht sofort wahrnimmt. Auch das lange Intro mit seinen zunächst undefinierten, wabernden Texturen und sein wiederkehrendes Thema im Outro sind erst nach den Trio-Aufnahmesessions entstanden, und repräsentieren in gewisser Weise das evolutionäre Anfangsstadium, die Ursuppe, aus dem sich das organische Leben im Laufe des Hauptteils des Stücks mit seinen Zyklen und Modulationen entwickelt, um am Ende wieder in diese zurückzukehren“ erklärt Joannes Haage.

Die Songs von Haage und Smith ergänzen sich auf „Darwin´s Blues“ auf solch interessante Weise, weil sie in Aufbau und Entstehung meist sehr unterschiedlich sind – Haages meist harmonisch, melodisch oder rhythmische sehr strukturiert, die von Joe Smith haben eine fast mysteriöse Qualität, alles entsteht aus der Melodie und wird von ihr geführt. Trotz (vielleicht auch wegen) des durchaus unterschiedlichen kompositorischen Ansatz’ ist „Darwin’s Blues“ ein bei allen „Ausflügen“ kompaktes Album. Anspieltipps: „Tectonic“ und der Titelsong.

Original Artwork by Angelika Arendt / Design by Liz Kozack