Project Description

Julian Oliver Mazzariello / Debut (Via Veneto Jazz/Jandonusic)

Woche 02/2019

Julian Oliver Mazzariello

Debut (Via Veneto Jazz/Jandonusic)

Es gibt die lebenslustig swingenden Klaviertrios und die romantisch betörenden. Es gibt minimalistische, soulige, freigeistige Klaviertrios. Das von Julian Oliver Mazzariello ist vor allem eines: vielseitig. Wie viele Alben von Julian Oliver Mazzariello aber befinden sich wohl im heimischen Plattenschrank?

Die Antwort ist schwierig, vielleicht nicht ganz eindeutig und bedarf genauerer Recherche. Aber die Wahrheit ist: keines, denn ein Julian Oliver Mazzariello Album gibt es bislang nicht. Das liegt daran, dass Mazzariello bislang zögerte – obwohl er zahlreichen Musikerkollegen mit seiner Musik am Piano zur Seite stand – die Rolle des Bandleaders zu übernehmen. Bisher kannte man den 40-Jährigen nur als Begleiter, dabei ist seine elegante Spielweise unverkennbar und kann den Hörer sofort fesseln, wenn nur die ersten paar Töne erklingen.

Der in England geborene Pianist, der schon mit acht Jahren in London ein Konzert von Miles Davis besuchen durfte, hat mit einigen der größten Solisten der italienischen Jazzszene gespielt. Darunter waren der Trompeter Enrico Rava, der Saxofonist Stefano Di Battista, der Trompeter Fabrizio Bosso (mit dem er 2018 bei Movimentos in der Autostadt zu hören war). Mazzariello hat sich für hervorragende Duo-Alben mit Fabrizio Bosso und Enzo Pietropaoli’s Yatra zusammengetan sowie mit Lucio Dalla, Stefano Di Battista, Edoardo De Crescenzo, Fabio Concato und Maria Pia de Vito gespielt.

„Debut“ ist also tatsächlich sein erstes Solo-Album und bietet nun endlich die Chance und Gelegenheit, Mazzariello in all seinem kreativen Spiel und seiner kompositorischen Dynamik zu hören. Groove, Swing, raffiniertes Zusammenspiel – das Album ist eine Kombination verschiedener Stile, denen er sich mit Bedacht und Experimentierfreude nähert.

Ob Ballade (Monk in Paris), grooviger Song (Funky Chunks) oder sanfter Blues (Modal Blues), der Pianist führt das außergewöhnliche Trio durch die verschiedenen Kompositionen und Arrangements. Zur Seite stehen ihm dabei André Ceccarelli am Schlagzeug und Rémy Vignolo am Kontrabass.

Mit den auf „Debut“ zu findenden sieben Eigenkompositionen, flankiert von den zwei Standards „Accarezzame“ von Pino Calvi und „Que Reste-t-il De Nos Amours“ von Charles Trenet (beide ja eher aus dem Chanson-Genre stammenden Songs werden in der vorliegenden Version zu echten „Jazz-Songs“) demonstriert Julian Oliver Mazzariello eindrucksvoll, dass es höchste Zeit war, seine kompositorischen Fähigkeiten und die des Arrangeurs „unter die Leute“ zu bringen; an denen des Instrumentalist und Sideman gibt es ohnehin schon längst keinen Zweifel: Anspieltipps: „Funky Chunks“ und „Five for Troc“.