Projekt Beschreibung

Woche 21/2020

Kandace Springs

The Women Who Raised Me (Blue Note)

Aufgewachsen ist Kandace Springs als Tochter eines Soul-Sängers in Nashville, einer Stadt, die vornehmlich für Country & Western-Musik bekannt ist. Ihr Vater Scat Springs hatte eine eigene Band, arbeitete aber auch als Background-Vocalist für zahlreiche Größen wie Brian McKnight, Chaka Khan, Aretha Franklin, Michael McDonald und Donna Summer.

Er öffnete seiner Tochter die Ohren für die Musik von Legenden wie Nina Simone, Ella Fitzgerald, Eva Cassidy und Luther Vandross, unterstützt sie auch, als sie mit 15 Jahren ihre ersten Demos machte und an das erfolgreiche Produzententeam Evan Rogers und Carl Sturken (Rihanna, Shakira, Christina Aguilera, Kelly Clarkson) schickte. Den daraufhin angebotenen Deal schlug Kandace dann aber doch erstmal aus.

Mein Vater sagte: ‘Wenn du bei diesen Jungs unterschreibst, werde ich nie die Chance haben, ein Album mit dir zu machen’“, erinnert sich Springs. „Ich bin froh, dass ich gewartet habe.“ Denn dieses gemeinsame Album machten sie dann, als sie 17 war, auch wenn es nie veröffentlicht wurde. Immerhin – die Songs daraus fanden sich zum Teil Jahre später auf ihrem Album „Indigo“ wieder.

Mittlerweile hat sich Kandace Springs längst einen Spitzenplatz unter den aktuellen Vokalistinnen erkämpft. Mit „The Women Who Raised Me“, ihrem dritten Album dankt sie jetzt großen Vorbildern wie Billie Holiday, Nina Simone, Dusty Springfield, Sade und Lauryn Hill – natürlich auf ganz eigene Art.

Während die Sängerin und Pianistin aus Nashville auf ihrem “Indigo”-Album von 2018 in Zusammenarbeit mit Karriem Riggins den Sound mit Hilfe moderner Produktionen erzeugte, bleibt das neue Album klanglich dem Jazz treu, während Springs durch ein beinahe hundertjähriges Musikschaffen hin und her reist. Das Konzept ist einfach: Kandace Springs‘ Songs sind den Frauen gewidmet, die sie während ihrer Kindheit und Jugend inspiriert haben, es sind Songs, die mit einem Dutzend der größten Sängerinnen aller Zeiten in Verbindung gebracht werden, interpretiert in der ganz eigenen Art der Protagonistin..

“Dies ist ein Album, das ich schon immer machen wollte”, sagt Kandace Springs. “Es drückt wirklich meine Liebe für all diese Sängerinnen aus und meine Dankbarkeit für das, was sie mir gegeben haben. Jede hat mich etwas anderes gelehrt, und all diese Lektionen haben mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. In gewisser Weise versuche ich jeden Tag nur, den Beispielen, die sie gesetzt haben, gerecht zu werden. Mein Traum ist es, dass die Leute sich mein Album anhören und dann mehr über all diese großartigen Frauen erfahren wollen. Wenn das geschieht, dann habe ich meine Arbeit getan”.

Produziert von Larry Klein – der auch Springs’ 2016er Album “Soul Eyes” produzierte – wurde „The Women Who Raised Me“ im Studio mit einer exzellenten Band eingespielt, mit Musikern, die alle mit den hier geehrten Sängerinnen verbunden waren/sind: Gitarrist Steve Cardenas (Norah Jones), Bassist Scott Colley (Carmen McRae) und Schlagzeuger Clarence Penn (Diana Krall) spielten live und unterstrichen so die Kraft von Kandace Springs‘ Stimme sowie ihre Gabe, sich zwischen den Intonationen der musikalischen Vorbilder/Sängerinnen und deren Erbe zu bewegen und dabei doch sie selbst zu bleiben.

Hochkarätig im Übrigen auch die Gastmusiker/innen wie etwa Christian McBride, Avishai Cohen, Elena Pinderhughes oder Chris Potter. Anspieltipps: „Ex-Factor“ und „I Can’t Make You Love Me“. (Cover: Photo © Blue Note/Universal)