Project Description

Woche 36/2019

Kata y Co

Bossa und no’ was (Herzog Records)

Kamenski Ural im Süden des Urals gelegen ist nicht wirklich als Bossa Nova-Hochburg bekannt. Als junges Mädchen aber wurde Katharina Mai dort sprachlich und musikalisch durch brasilianische Telenovelas, die im russischen Fernsehen im Original liefen, so wie die dort zu hörende Musik, mit dem südamerikanischen Lebensgefühl infiltriert. Dabei schien sich bei der kleinen Katharina zunächst alles in Richtung klassischer Musikkarriere hinzubewegen.

Im Alter von sechs Jahren erhielt sie ersten Klavierunterricht und studierte dann klassischen Gesang in Russland und Hamburg. Sie nahm an mehreren Meisterkursen teil und ist seither mit verschiedenen Orchestern sowie im Kantaten- und Oratorienbereich tätig. Mehrere CD-Aufnahmen erfolgten für Lux Aeterna und Libertas.

Mitunter bewegen sich die Dinge dann doch in eine andere Richtung. So führte die Faszination für südamerikanische Klänge zu einem längeren Aufenthalt in Buenos Aires, wo sie neben schon beherrschten akzentfreien Brasilianisch, noch mal eben akzentfreies Spanisch erlernte und überdies ihre Liebe zum Tango Argentino entdeckte.

Beim 12. Sommerjazzfestival Hamburg 2007 wurde Katharina Mai als beste Sängerin ausgezeichnet. Konzertreisen führten sie u.a. nach Kanada, Argentinien, Frankreich, Österreich, Polen, Ungarn, die Schweiz, Russland, den Senegal und in die Karibik. Seit 2010 ist sie Dozentin am Hamburger Johannes-Brahms-Konservatorium.

Mit ihrer Band Kata y Co hat die Wahlhamburgerin mit „Bossa und no’ was“ nun ein exzellentes Album eingespielt; auch ein Verdienst der beteiligten Instrumentalisten, deren musikalische „Heimat“ kaum unterschiedlicher sein kann: Der armenische Cellist Andranik Sargsyan ist Orchestermusiker (u.a. Hamburger Philharmonie), der Hamburger Pianist Martin Terens (Georgie Fame, Bill Ramsey, NDR Bigband) hat seine Heimat längst im Jazz gefunden, und der aus dem Allgäu stammende mehrfach preisgekrönte Bassist (George Gruntz, Steve Coleman, Kalle Kalima, Peter Brötzmann oder Peter Lohmeyer) bewegt sich zwischen den Welten.

Gemeinsam bilden sie einen großartigen „Klangkörper“, der mehr ist als die Summe aller Teile. Dazu Katharina Mais Stimme: mal leidenschaftlich in Canzone, federleicht in Bossa Nova und Samba, feurig-dramatisch im Tango, aber auch mal eine Arie in neuem Gewand – wenn man so will, vier Stimmen in einer Hand.

Bossa und Barock, Forró und Fuge, Polka und Piazolla, Jobim und Chopin, die ungewöhnliche Besetzung mit dem seltenen und so nie gehörten 7-Saiter-Bass, das seidige Cello, hingetupfte Klangwölkchen des Klaviers, einfallsreiche Arrangements wunderschöner Songs aus Südamerika und die Konzentration auf die musikalische Substanz der abendländischen Liedkultur – Kata y Co vereinen auf „Bossa und no’ was“ Alte und Neue Welt in einer einzigen Ode an die Schönheit. Anspieltipps: „La Bicicleta Blanca“ und „Carinhoso“. (Photo © Herzog Recods)