Projekt Beschreibung

Woche 17/2021

Kilian Kemmer Trio

… und Zarathustra tanzte (GLM)

Nietzsches Idee der „ewigen Wiederkunft“ inspirierte den Pianisten und promovierten Philosophen Kilian Kemmer zu seinem neuen Album „Und Zarathustra tanzte“. „Ich finde die Vorstellung, dass ich dieses Leben, wie ich es jetzt lebe und gelebt habe, noch einmal und noch unzählige Male leben muss extrem faszinierend,“ sagt Kemmer. „Wer kann das schon mit voller Überzeugung sagen?“

In musikalischen Aphorismen greift das Trio verschiedene Facetten und Motive der Idee auf. Die Stücke heißen etwa die „Ewige Wiederkunft“, „Hirte“ oder „Auf glückseligen Inseln“. Auch ein Gedicht von Nietzsche vertont das Trio: „Das andere Tanzlied“. Und was Viele nicht wissen: Nietzsche saß selbst am Piano und komponierte. Sein Stück „Das Fragment an sich“ interpretiert Kemmer in einem kurzem Solofragment auf ganz eigene Weise.

„Bei all den Stücken gibt es eine Leitidee“ sagt Kemmer. „Ich lese „Also sprach Zarathustra“ so, dass sich Zarathustra von diesem allerschwersten Gedanken der ewigen Wiederkunft nicht erdrücken lässt. Im Gegenteil: Er begreift ihn als den göttlichsten Gedanken, der ihn tanzen lässt.“ Und so passt auch der einzige Jazz-Standard des Albums trefflich zum Programm: „It Don’t Mean A Thing If It Ain‘t Got The Swing“ von Duke Ellington.

In einer Rezension des Magazins „Jazzthing“ heißt es über das 2018 veröffentlichte Debut-Album „Jetzt Und In Echt“ von Kilian Kemmer: „das ist Jazz zum Runterkommen und Genießen, den eine zeitlose Qualität kennzeichnet.“ Und das „Jazzpodium“ attestiert: „Die Musik (…) lässt die Zeit vergessen, macht bewusst, welche Qualität Harmonie und auch Langsamkeit haben können. Kilian Kemmer führt seine Musik mal minimalistisch, mal lyrisch, dann aber auch wieder mit viel Energie, back to the roots, zum Geschichtenerzählen, zum Zeitvergessen, zum Wohlklang, zum wirklichen Leben jenseits aller Unechtzeit.“

Vielleicht ist das, was der 40-jährige Kilian Kemmer spielt und schreibt der Ausgleich für sein anderes Leben – er promovierte in Philosophie und ist heute bei einem großen Unternehmen im Personalbereich angestellt. Doch die Musik spielte im Leben des klassisch ausgebildet Pianisten, der durchaus auch im Jazz zuhause ist, nie eine untergeordnete Rolle.

Das Album „… und Zarathustra tanzte“ präsentiert Musik für die ruhigen Stunden, die auch Raum lässt, Gedanken über die Dinge des Lebens schweifen zu lassen, es muss ja nicht zwangsläufig Nietzsches Philosophie sein. Anspieltipps: „Angelico – Bavaria“ und „Blues For Nietzsche“. (Photo © GLM)