Projekt Beschreibung

Woche 33/2021

Klara Finck

Recuerdo (KlaraFinck/LC 24625 /Vertrieb: Recordjet)

Die Multiinstrumentalistin, Schauspielerin, Poetin, Sängerin und Songerfinderin Klara Finck ist weit gereist, in unterschiedlichsten Kontexten aufgetreten und hat auf der ganzen Welt einen unermesslichen Schatz von Liedern absorbiert, bevor sie „Recuerdo“ aufnahm. Das war beileibe kein Schnellschuss, denn die einfühlsame Allrounderin gibt sich nicht mit einfachen Lösungen zufrieden, auch wenn am Ende alles ganz leicht klingen mag.

In seinem lebendigen Facettenreichtum könnte das Album das „Best-Of“ einer langen Reihe erfolgreicher Veröffentlichungen sein. In Wirklichkeit handelt es sich um Klara Fincks Debütalbum. Die Lieder sind so farbenfroh instrumentiert, dass man sich schwer entscheiden kann, ob es sich um die sprießende Buntheit des Frühlings, die grelle Farbverschwendung des Sommers oder die impressionistischen Lichtspielkulissen des Herbstes handelt.

Antwort geben vielleicht die Texte. Klara Fincks Auslassungen und Reflexionen beschreiben eine innere Entwicklung. Handeln die ersten Lieder noch von Trauer, Verlust und unerfüllter Sehnsucht, tendiert die Stimmung im weiteren Lauf des Albums immer stärker in Richtung Hoffnung, Ankunft und Erfüllung. Nichts in diesem Liederzyklus ist zufällig, alles ist an seinem Platz, und die Kontraste, die zuweilen zwischen den Texten und der Musik aufkommen, sind überaus gewollt, verheißen sie doch kreative Spannung und die Freiheit zur individuellen Auslegung.

„Ich kann einfach nichts halb machen.“ Was aus ihrem Mund fast wie ein Geständnis klingt, ist im Grunde Klara Fincks größte Stärke. „Ich habe eigentlich schon vor vier Jahren genau gewusst, wie dieses Album werden soll. Genau genommen habe ich das Album zweimal aufgenommen, aber erst beim zweiten Mal klang es so, wie es sich schon seit Jahren in meinem Kopf angehört hatte. Ich komme vom Theater, und deshalb ist mir die Dramaturgie sehr wichtig. Wahrscheinlich ist das Album deshalb in sich so geschlossen.“

Die Song-Poetin scheut sich nicht, ihre Lieder unter der liebenswert altmodischen, aber überaus stilvollen Überschrift Chanson zu verorten, denn sie sind von der Doppelbödigkeit eines Georg Kreisler ebenso geprägt wie vom französischen Chanson oder der kubanischen Trova. Das Chanson ist für sie der unmittelbarste Weg, Gefühle und Gemütszustände über ihre Stimme und die dazu notwendigen Kulissen ins Bewusstsein ihrer Hörerinnen und Hörer zu transportieren.

Klara Finck gestaltet einen Freiraum, der Gehörtes fühlbar macht. „Das Chanson hat ja einen sozial- und gesellschaftskritischen Unterton. Meine spanischen Lieder sollten ursprünglich nicht politisch werden, und doch tauchen diese Momente nun verhalten auf. In Südamerika gibt es die Trova, die dem Chanson inhaltlich und auch hinsichtlich der Vortragsweise sehr ähnlich ist. Diese Verbindungen fand ich gerade wegen der großen räumlichen Distanz sehr spannend. Deshalb fand ich es stimmig, meine eigenen Lieder als spanische Chansons zu definieren.“

Wichtige Inspirationsfiguren sind für sie unter anderem der kubanische Liedermacher Silvio Rodriguez und die spanische Sängerin Silvia Pérez Cruz. Klara Finck hatte klassische Musik, Songwriting und Filmmusik studiert, lebte in Frankreich und Spanien, akkumulierte hier und dort zahlreiche Einflüsse, um ebenso viel Gepäck wieder abzuwerfen und am Ende punktgenau bei sich selbst anzukommen.

Entsprechend zielsicher greift Klara Finck auf einzelne Instrumente zu. Jede Klangquelle hat ihre eigene Farbigkeit. Mit sicherer Hand trennt sie diese Farben hier mit scharfen Konturen, um sie im nächsten Song wie in einem Aquarell ineinander laufen zu lassen. Im ersten Durchlauf arrangierte Klara Finck die Songs eher sporadisch und spielte das ganze Album innerhalb einer Woche ein. Unzufrieden mit dem Ergebnis, nahm sie sich für den zweiten Anlauf wesentlich mehr Zeit, arrangierte die Songs präzise und überließ nichts mehr dem Zufall. Viele Instrumentalstimmen spielte sie selbst ein, eine Reihe von Gästen kam hinzu.

In weniger als vierzig Minuten beschreibt „Recuerdo“ eine Lebensreise. Was die warmherzige Künstlerin für sich selbst als Wegweiser markiert, ist für das unbefangene Ohr ein zuverlässiger Wegbegleiter voller Hoffnung und Nachdenklichkeit für unterschiedlichste Lebenslagen und Gefühlszustände. Ein Album, so komplex und wechselhaft und doch auch oft so simpel wie das Leben selbst, auf dem sich am Ende jede offene Parabel zu einem Kreis schließt und alles einen Sinn ergibt Anspieltipps: „Esperanza“ und „Adiós Querido“.