Projekt Beschreibung

Woche 42/2021

Kurt Elling

SuperBlue (Edition Records)

Nachdem er im März 2021 für „Secrets Are The Best Stories“ (eingespielt mit Pianist Danilo Perez) seinen zweiten Grammy Award (und seine 14. Nominierung) erhalten hat, vollzieht Ausnahme-Sänger Kurt Elling mit „SuperBlue“ eine unerwartete Wendung, präsentiert mit dem Album (VÖ 8.10.2021) ein musikalisches Feuerwerk aus knackigem Funk, schlurfenden Beats mit durchaus aktuellen Texten.

Kurt Elling hat für „SuperBlue“ mit Musikern zusammengearbeitet, die allesamt in musikalischen Feldern erfolgreich agieren, die bis dato nicht zur bevorzugten künstlerischen Basis des für viele aktuell besten Jazzsängers zu zählen waren. Elling geht mit bemerkenswert großer Neugier und Offenheit mit diesem Album durchaus ein künstlerisches Risiko ein, das aber wiederum durch die Qualität der beteiligten Musiker überschaubar wird.

Entscheidenden Anteil an der Qualität der Platte (neben Elling selbst natürlich) haben Produzent und Fusion-Gitarrist Charlie Hunter und zwei Stars der Hip-Hop-Generation: Schlagzeuger Corey Fonville und Bassist und Keyboarder DJ Harrison (beide von der Band Butcher Brown), die mal kurz das Genre wechseln, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Kurt Elling war ja schon immer ein Meister der Grooves, die von Bebop über reinen Pop und progressiven Jazz bis hin zu Neo-Soul reichen, aber noch nie hat er ein Album mit solchen Grooves gefüllt wie „SuperBlue“.

Dank der neuen Melodien und Texte von Elling und den Grooves von Hunter & Co. präsentiert das Album völlig neue Songs, aber auch innovative Kompositionen der Jazz-Legenden Wayne Shorter und Freddie Hubbard, sowie eine rohe und reduzierte Bearbeitung von “The Seed” ein immer noch dynamisches, jahrzehntealtes Riff über Unsterblichkeit aus der Feder von Cody Chestnutt, außerdem eine großartige Version von „Circus“, einem Tom Waits-Song.

Kurt Elling hat noch nie ein Album wie dieses eingespielt, und er hat noch nie ein Album in der Art und Weise produziert wie „SuperBlue“. Bis zum heutigen Tag hat er die Mitglieder von Butcher Brown noch nie persönlich getroffen. Da die Pandemie die Reisemöglichkeiten einschränkte, fand ihre Zusammenarbeit über eine Entfernung von etwa 1.000 Meilen statt, wobei Hunter als Vermittler fungierte.

Corey Fonville und DJ Harrison trafen sich mit Hunter in ihrem Studio in Virginia, um eine Auswahl an Grooves und Musikfarben auszuarbeiten; in seinem Haus in Chicago nahm Kurt Elling die Rhythmusspuren auf und entschied, ob sie neue melodische Erzählungen erforderten oder besser zu bestehenden Kompositionen passten.

Sobald die Vorarbeit abgeschlossen war, trafen sich Elling und Hunter in einem umgebauten Pferdestall in Urbana (Illinois), wo sie die Gesangs- und Sologitarrenspuren aufnahmen und das Ganze abmischten. Der Schreibprozess gab Elling die Möglichkeit, zu einigen seiner inzwischen vertrauten Leidenschaften zurückzukehren, wie der Beat-Generation, aktueller Politik und die Einbindung kontemplativer Poesie in bereits transzendente Balladen. Aber selbst diese Prüfsteine „funktionieren“ mit der frischen Energie der zeitgenössischen Jazz-Funk-Fusion.

Im Gespräch über Fonville und Harrison zeigt sich Kurt Elling durchaus dankbar: “Dass diese begabten jungen Leute mir das Vertrauen schenken und mit mir so begeistert von diesem Projekt sind, ist ein großes Kompliment. Es ist belebend und sogar verjüngend im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe den groove-orientierten Sachen, die jüngere Leute entwickelt haben, bisher nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, nicht weil ich sie nicht mag, sondern weil ich mich so lange darauf konzentriert habe, von Musikern wie Prez (Lester Young), Wayne Shorter und Dexter Gordon zu lernen.“

Umso erstaunlicher, dass sich Elling auf dieses musikalische Abenteuer eingelassen und mit „SuperBlue“ eines der überraschendsten Alben des Jahres eingespielt hat. Anspieltipps: „Manic Panic Epiphanic“ und „Can’t Make it With Your Brain“. (Photo © Bertus)