Woche 48/2021

Lady Blackbird

Black Acid Soul (Foundation Music/BMG)

Geboren und aufgewachsen in den USA, begann ihr künstlerischer Weg in der christlichen Musik. Doch schon mit 18 Jahren zog sie nach New York und fand nach einigem Herumprobieren ihre wahre Berufung im Jazz.

Sie hatte schon immer diese großartige Stimme – ein Instrument, das die Dramatik von Tina Turner mit der bluesigen Unschärfe von Amy Winehouse verbindet – und sie hat diese faszinierenden Präsenz. Aber obwohl Marley Munroe 2003 anfing, großartigen Hochglanz-R&B zu singen und sich im Alt-Rock versuchte, kämpfte die in Los Angeles lebende Sängerin damit, ihren Stamm zu finden.

Nun ist es Zeit für ein Umdenken: „Black Acid Soul“ macht aus Munroe Lady Blackbird. Zusammen mit dem Produzenten Chris Seefried hat sie das Backing entfernt, ihre Stimme in den Vordergrund gerückt und sich dem Soul-Jazz verschrieben (und es kann nie schaden, seinem neuen Namen ein vornehmes Prädikat hinzuzufügen – von Lady Day bis Lady Gaga).

Eine Reihe von Singles und überstilisierten Videos im letzten Jahr brachten ihr viel Lob ein, und Gilles Peterson nannte sie “die Grace Jones des Jazz”. Jetzt ist das lang ersehnte Debütalbum da und der Hype ist weitgehend gerechtfertigt: „Black Acid Soul“ ist ein starkes Album, das, ohne selbstbewusst retro zu klingen, auf eine Ära vor AutoTune und Pro Tools verweist.

Marley Munroe ist selbst eine gute Songschreiberin, aber „Black Acid Soul“ besteht hauptsächlich aus Sixties-Songs, die einst von Nina Simone, Tim Hardin, Irma Thomas und anderen interpretiert wurden. Einige, wie Sam Cookes sparsam arrangiertes Lost and Lookin’ und Simone‘s Bürgerrechtshymne Blackbird, müssen nur wenig überarbeitet werden, um der kargen, eindringlichen Stimmung des Albums gerecht zu werden. Blackbird baut sich über pulsierenden Streichbässen – ohne Schlagzeug und ein paar Pianotönen von Deron Johnson auf – Nina Simone‘s Original ist zwar schwer nachzuahmen, aber diese Version kommt ihr schon ganz schön nahe.

Die Songauswahl ist alles andere als stringent: „Collage“ ist ein starkes Stück aus dem 1969er Debütalbum der Rockband James Gang, zu der einst auch Gitarrist Joe Walsh gehörte. „Fix It“ ist eine Ballade, die auf den zwei Akkorden basiert, die – je nach Wahl – Bill Evans’ „Peace Piece“ oder Miles Davis’ „Flamenco Sketches“ zugrunde liegen. Interessanterweise ist der düster-atmosphärische Titelsong das einzige Stück ohne Leadgesang; stattdessen taucht ein Gospelchor aus einem psychedelischen „Eintopf“ aus Arco-Bass, köchelnden Streichern und Low-Budget-Elektroorgel auf.

Ihr Debüt ›Black Acid Soul‹ hat Kraft – akustische, selbstbewusste Musik mit festen Wurzeln im Pool der Black American Music.​ (Audio, Dezember 2021).

Lady Blackbirds Album „Black Acid Soul“ ist das Debüt-Album des Jahres. Ihre warme, volle Stimme leuchtet – unschlagbar! (Deutschlandfunk)

OK, es ist noch ein bisschen früh für die Wahl zum Album des Jahres, aber Lady Blackbird wird das Rennen machen. Letztes Jahr sagte die Sängerin gegenüber The Voice, sie wolle Musik machen, die mehr ist als “Bubblegum und Bullshit”; auf Black Acid Soul ist ihr genau das gelungen. (London Jazz News)

Das sind nur drei der positiven bis euphorischen Rezensionen der Fachpresse – Marley Munroe aka Lady Blackbird ist mit diesem Debüt-Album tatsächlich ein ziemlich großer Wurf gelungen. Anspieltipps: „Blackbird“ und „Lost and Looking“. (Photo Chateau Du Pop)