Project Description

ANCESTOR-BOY - Photo: © Concordia

Woche 22/2019

Lafawndah

Ancestor Boy (Concordia)

Yasmine Dubois alias Lafawndah, Tochter iranisch-ägyptischer Eltern, widmet sich auf ihrem Debütalbum allen Facetten der Weiblichkeit, und das von schrill aggressiv bis sinnlich erotisch. Kunst hat für sie nur Daseinsberechtigung, wenn sie Neues schafft – diesen Druck spürt man. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie im Iran und über die Stationen Paris, Mexiko City und New York ist sie mittlerweile in London gelandet.

Nachdem sie mit ihrer EP „Tan“ bereits für Wirbel gesorgt hat, gräbt Lafawndah in „Ancestor Boy“ tiefer, um Emotionen aus der tiefen Vergangenheit und Zukunft zu erkunden. Die Körperlichkeit des Albums ist unverkennbar; die Erinnerungen fast mineralisch. Es ist eine Geschichte für ein noch zu entstehendes Volk, das aus dem Bedürfnis heraus entstanden ist, andere zu finden. Im Kern der klanglichen und lyrischen Haltung des Albums steht der Wunsch, die Unsicherheiten zu teilen, wenn man nirgendwo hingehört.

Der Sound von „Ancestor Boy“, der mit Hilfe der Mitstreiter Nick Weiss, Aaron David Ross und L-Vis 1990 entwickelt wurde, ist eine opulente Anreihung an Details, Gefühlen und Ideen, getragen durch ein widerkehrendes lyrisches Motiv: das Gefühl, dass ein Körper, ein Leben lang, nicht groß genug für das ist, was man fühlt. Das Album ist voll von vor Erinnerungen und erinnert an die Antagonismen des Geschichtenerzählens von Nina Simone.

Die rhythmische Essenz von Lafawndahs Musik ist noch entschlossener und psychedelischer geworden. mit einer Songarchitektur, die sich am besten als eklektisch-experimenteller Elektronik-Pop beschreiben lässt, verleiht Lafawndah dieser LP/CD absolute Suchtgefahr. „Ancestor Boy“ präsentiert Popmusik, die post-territoriale Freiheit demonstriert; vielleicht auch eine Folge der nomadischen Entstehungsgeschichte des Albums zwischen Los Angeles, Mexico City, New York, London und Paris. Anspieltipps: „Parallel“ und „Daddy“. (Photo © Concordia)