Projekt Beschreibung

Photo © Galileo Music

Woche 03/2021

Marc Copland

John: Piano Solo (Innervoice Jazz)

Während seiner langen Karriere hat sich Pianist Marc Copland einen Namen als exzellenter Stilist, als harmonischer Erfinder und als großartiger Improvisator mit einem eigenständigen Sinn für den Tasten-Anschlag gemacht. Viele seiner Aufnahmen hat er in den letzten Dekaden in Duos, Trios und im Quartett eingespielt0.

Auf seinem ersten Solo-Album „Poetic Motion“ zeigte er eindrucksvoll, dass er ohne unnötiges Beiwerk seinem primären Antrieb, sein Herz in die Musik einzubringen, treu geblieben ist. Er wurde als „Poet des Pianos” von Telerama (Frankreich) bezeichnet, und mit den Worten „Der Klavier-Flüsterer“ auf dem Titelblatt des Schweizer Jazz Magazins Jazz n More präsentiert.

John Abercrombie starb im August 2017. Sein Tod bedeutete für die Jazz-Welt den Verlust eines der größten Gitarristen des letzten halben Jahrhunderts. Abercrombie war einer dieser seltenen Musiker, die ihre Musik so komponierten und spielten, wie sie auch ihr Leben führten. Er komponierte, wie er spielte, scheinbar leicht und geradeaus, aber immer voll mit unerwarteten Wendungen. Sein Werk, das mehr als 200 Stücke umfasst, reflektiert eine große Vielzahl an Stimmungen und Texturen, und wie bei jeder großen Kunst lässt sich sein Kompositionsstil mit keinem anderen vergleichen.

So wie Abercrombies Tod den Jazz ohne einen seiner besten Gitarristen hinterlässt, bedeutet er für Marc Copland den Verlust eines guten Freundes und Mitmusikers über fast ein halbes Jahrhundert. Coplands lange Verbindung mit Abercrombie begann mit ihrem gemeinsamen Wirken 1971 als Mitglied von Chico Hamiltons Quartett und dauerte bis zu seiner letzten Tour im Dezember 2016 an.

Sie spielten Konzerte und nahmen mit unterschiedlichen Bands sowie auch als Duo auf. John Abercrombies letztes Quartett mit Copland, Drew Gress und Joey Baron tourte jahrelang in der ganzen Welt und brachte zwei Alben auf dem ECM Label hervor. Es ist eine lange Verbindung, die viel Musik mit diesen beiden „Gentlemen-Musikern“ hervorgebracht hat. Der gegenseitige Respekt füreinander und der Einfluss, den jeder auf den anderen ausübte, war größer, als durch Noten und Auftritte ausgedrückt werden könnte.

Diese lange und nahe Verbindung zwischen den beiden gab Marc Copland einen einzigartigen Einblick in das kompositorische Werk, das John Abercrombie während seiner langen Karriere schuf. Zusammen mit dem Produzenten Philippe Ghielmetti und dem ihm nahestehenden Produzenten Stephane Oskeritzian stellte er eine Auswahl für die Aufnahmen von „John: Piano Solo“ zusammen, die Abercrombies Schaffens-Spektrum abbildet und von „Timeless“, dem Titeltrack seines ersten ECM-Albums, bis zu „Sunday School“ und „Flip Side“ von seinem letzten ECM-Album reicht.

Das HiFi-Magazin „Audio“ schreibt in seiner Februar-Ausgabe über „John: Piano Solo“: „Feintönend aufgenommen im südfranzösischen La Buissonne, entsteht ein freundschaftlich emotionsnahes Adieu, gespielt mit der Emphase eines Romantikers.“ Anspieltipps: „Jade Visions“ und „Timeless“. (Photo © Galileo Music)