Projekt Beschreibung

Woche 39/2020

Maria Pia De Vito

Dreamers (Millesuoni)

Maria Pia de Vito, italienische Sängerin, Arrangeurin und Multiinstrumentalistin, sowohl für ihre improvisatorische Arbeit als auch für die Interpretation von Jazzstandards und internationalen Volksliedern bekannt, wurde 1960 in Neapel geboren und begann schon als Kind mit einem formalen Gesangsstudium, studierte Oper und klassische Musik sowie die neapolitanische Volkstradition.

Sie begann ihre Konzerttätigkeit 1976 und spielte in verschiedenen Workshop-Ensembles, wo sie sang, Gitarre und später Klavier spielte. Ihre früheste Arbeit beschäftigte sich mit ethnischer und nicht-ethnischer Polyphonie und Volksmusik mit Bezug zu den Ländern des Mittelmeerraums, des Balkans und Südamerikas.

1980 begann De Vito in Jazzkreisen mit weltberühmten Musikern wie Paolo Fresu, Bruno Tommaso und Gianluigi Trovesi zu arbeiten. Außerdem trat sie in Clubs und auf internationalen Festivals mit Joe Zawinul, Michael Brecker, Peter Erskine, Miroslav Vitous, Uri Caine, Dave Liebman, Billy Hart, Steve Turre, Maria Joao, dem Art Ensemble of Chicago und Nguyen-Le auf. De Vito sang alles von den Bop- und Post-Bop-Interpretationen des Great American Songbook über freien Gesang bis hin zu klassischem und neoklassischem Gesang und brachte dabei auch Einflüsse der Weltmusik ein.

Am 25. September erscheint mit „Dreamers“ das neue Album von Maria Pia De Vito –
eine Kollektion von großen Songwritern und persönlichen Idolen der Sängerin. Die Italienerin interpretiert Songs von Paul Simon, David Crosby, Bob Dylan, Tom Waits und ihrem Vorbild Joni Mitchell. Allesamt Poeten und Träumer, die mit Beginn der 60er Jahren zeitlose Meisterwerke von raffinierter Schönheit geschaffen haben, begleitet von aussagekräftigen und einprägsamen Lyrics, die den Geist der Zeit verkörpern.

Die Songs von Maria Pia De Vito blicken gleichermaßen zurück wie nach vorn. Ihre Arrangements sind von Historik geprägt, stellen jedoch den Bezug zu heutigen Generationen her. Mit entwaffnend klarer Stimme legt sie Gefühle und Erlebtes offen, um mit ihren Hörern eine verwundbare aber gleichzeitig starke Verbindung einzugehen.

Die Texte richten sich kritisch an den Status Quo in Politik und Gesellschaft, um im gleichen Atemzug den Geist für neue Philosophien und Weltanschauungen zu öffnen. Am Ende des Albums und ihres Traums lässt uns Maria Pia De Vito für kurze Zeit mit einem Gefühl der Hoffnung zurück – Hoffnung auf Veränderung und Inspirationen zum Wandel in eine bessere Welt.

Die Songs auf „Dreamers“ mögen eine friedliche Insel als Gegenentwurf zum Krieg in David Crosbys „The Lee Shore” beschreiben oder sich auf die Suche nach einem Seelenverwandten in Bob Dylans „Simple Twist of Fate“ begeben. Maria Pia De Vito nimmt sich vorzüglich der Gesellschaftskritik von Joni Mitchell in „Carey“, „Be Cool“ und „Chinese Cafè“ an oder stellt sich der Skrupellosigkeit politischer Macht in „Pig Sheep and Wolves“ von Paul Simon. Der musikalische Traum endet mit einem Gefühl von Barmherzigkeit und Empathie in „Rainbow Sleeve“ von Tom Waits.

„Heute brauchen wir vielleicht mehr denn je diese Art von „poetischer Gerechtigkeit“, die aus der Kunst heraus einen Leuchtturm für Aufbruch und Freiheit in die Welt hinausschick“ beschreibt Maria Pia De Vito ihre Intention zu diesem Album. „Dreamers“ ist ein gelungener Versuch der vor wenigen Tagen 60 Jahre alt gewordenen Neapolitanerin, große Songs großer Künstler frei zu interpretieren, ohne diesen ihre Seele zu nehmen – kongenial begleitet von Julian Oliver Mazzariello (p), Alessandro Paternesi (dr), Enzo Pietropaoli (b) und als Gast auf „The Lee Shore“ Gitarrist Roberto Cecchetto. Anspieltipps: „Simple Twist Of Fate“ und „Chinese Cafè“.

Photo © galileomusic