Projekt Beschreibung

Woche 48/2020

Marie Spaemann & Christian Bakanic

Metamorphosis (Preiser Records)

Ein Cello, eine Stimme, ein Akkordeon. Reduktion aufs Wesentliche, auf natürliche Klänge.  Das virtuose Duo aus Wien beherrscht seine Instrumente meisterhaft und lässt deren lange, weit verästelte Geschichte in Details aufleuchten. Wesentlich für die Musik von Marie Spaemann und Christian Bakanic ist jedoch, wie elegant und gleichzeitig entschlossen sie verschiedene Traditionen als Sprungbrett für eigene Ideen nutzen.

Ihre individuelle Stilfusion trägt einerseits wunderbar feinsinnige kammermusikalische Züge. Andererseits bietet sie mit klaren Melodien, ansteckenden Rhythmen und dem Soul in Spaemanns variabler Stimme Anknüpfungspunkte für Pop-Fans. Wenn dann noch Spielarten von klassischer Moderne, Ideen des Tango Nuevo, des europäischen Folk und Jazz hinzukommen, entsteht eine beeindruckend unkonventionelle, poetische Klangsprache.

Seit rund drei Jahren spielen Marie Spaemann und Christian Bakanic zusammen, nachdem sie sich bei einem Engagement in einer anderen Band kennengelernt hatten.

Mit „Metamorphosis“ erscheint nun das Debütalbum des Duos. Auf ihm verwandeln Spaemann und Bakanic ihre unterschiedlichen Einflüsse zu einer tiefgründigen Einheit. Beide brachten Stücke mit, zu denen sie gemeinsam neue Arrangements entwickelten. Die Feinarbeit ging oft so weit, dass scheinbar bereits fertige Kompositionen plötzlich ein anderes, unerwartetes Gesicht bekamen.

Eine essentielle Rolle spielt dabei der Klang. Genauer gesagt die enorm vielen Klangfarben, die Cello und Akkordeon zu entlocken sind, wenn sie von echten Könnern gespielt werden. „Wir möchten einfach sämtliche Möglichkeiten unserer Instrumente nutzen und dabei die akustische Ästhetik bewahren“, beschreibt das Duo seinen roten Faden für das Album.

In ihren musikalischen Achterbahnfahrten lassen Spaemann und Bakanic sämtliche Stereotypen ihrer Instrumente hinter sich. immer wieder steigern sie sich lustvoll in flinke, ausgefuchste Unisoni; Marie Spaemann zaubert ebenso zarte wie harsche Töne aus dem Cello, wechselt von obertonreichen Passagen über trockene Pizzicati bis zu kratzig-schabenden, fast schon rockigen Stakkati.

Christian Bakanic brilliert mit mäandernden Linien und weiten Assoziationen, suggeriert subtile bis schwelgerische Stimmungen, erinnert in „Milonga Lenta“ stellenweise an Astor Piazzollas klagendes Bandoneon und kreiert in „Pentango“ einen eigenwilligen Tango im 5/4-Takt. Bisweilen fügt das Duo auch „Beats“ hinzu, durch Schläge auf das Holz des Cellos oder auf eine Cajon.

Über allem schwebt Spaemanns oft relativ dunkler, volltönender Gesang, der sich mühelos auch in höhere Register schrauben kann und der zwischen zurückhaltender Erzählhaltung, rhythmischen Phrasierungen (inklusive Spoken Word-Anklängen) und insistierenden Zuspitzungen changiert. Souverän kreieren Marie Spaemann und Christian Bakanic auf „Metamorphosis“ einen persönlichen Musikklang, der ein großes Publikum erreichen und berühren kann. Anspieltipps: „Butter Tango“ und „Melloe Ds“. (Photo © uk-promotion)

tian Heck mit viel Liebe zum Detail zu einem besonderen Klangerlebnis verfeinert worden. Und dieses Klangerlebnis lebt im Wesentlichen von Klarheit; manchmal nur eine wunderbare Stimme und einige tiefe Noten des Basses, dazu, im Sinne klanglicher Abwechslung und unvoreingenommener Spielfreude, neben den Hauptinstrumenten auch Klatschen, Fingerschnipsen, Kazoo, Bass-Schlitztrommel und manches mehr…

Auch dieser Klangfarbenreichtum lässt die CD keinen Moment langweilig werden, sondern lädt vielmehr zum wiederholten Hören ein. Die Klarheit der Besetzung spiegelt sich auch im Grundthema der Auswahl des musikalischen Materials. Es dreht sich immer um Songs. Hier allerdings setzen Lühning & Nendza bewusst auf fantasievolles Durcheinander. Und so wird der Titel der CD „hodgepodge“ im Sinne von wildem Mischmasch zum Programm.

Das Duo spannt in seinen Songs ein großen Bogen von den Jackson 5 über Paul Simon, Ron Sexsmith bis hin zu zwei Franz Josef Degenhardt Chansons, denen Inga Lühning und André Nendza durchaus überraschende neu Facetten abgewinnen können – frei nach dem Motto alles ist erlaubt, es muss nur stimmig sein.

Sowohl bei der Interpretation der Fremdkompositionen wie auch den Arrangements den eigenen Stücke für diese Duo-Formation geht es den beiden vor allem darum, das Besondere der Songs zu erhalten, diese gleichzeitig aber auch, und das mit spielerischer Leichtigkeit, in die eigene klangliche Welt von Stimme und Bass zu transportieren.

Inga Lühning und André Nendza gelingt mit „Hodgepodge Vol.1“ eine spannende, kreative musikalische „Achterbahnfahrt“, die die geneigte Hörerschaft durchaus mitnimmt auf ein musikalisches Abenteuer mit einigem Überraschungs-Potential. Anspieltipps: „Graceland“ und „Wölfe mitten im Mai“.