Project Description

Woche 46/2019

Marie Spaemann

Gap (Anthropoet / Believe Music)

Seit Jahren bewegt sich Marie Spaemann gleichermaßen in der Klassik wie in Pop und Jazz. Als Solo-Cellistin spielte sie beispielsweise mit der Norddeutschen Philharmonie das  Cellokonzert op. 37 von Erich Wolfgang Korngold, jenem österreichisch-amerikanischen Komponisten, der von 1935 bis ’45 Hollywoods Filmmusik fundamental beeinflusste. Mehrfach trat Spaemann im Konzerthaus Wien sowie (unter dessen Ägide) in Manhattan auf, ebenso beim Sommerfestival Dubrovnik, bei Puplinge Classique (Genf) und dem südkoreanischen Festival Classic Garden.

Andererseits arbeitete sie als Sängerin mit dem österreichischen Elektroswing-Produzenten [dunkelbunt], ging 2016 mit dessen Band sowie als deren Solo-Support auf Tournee. Parallel dazu spielte sie rund zwei Jahre bis 2017 Cello beim Jazz-Querdenker Christoph Pepe Auer und war zuletzt Solistin in der Bühnenproduktion „The World Of Hans Zimmer.“

Auf ihrem Debütalbum „Gap“ bringt Marie Spaemann nun viele dieser unterschiedlichen Erfahrungen zusammen. Aber eben nicht, indem sie alle in einen Topf wirft und so lange verrührt, bis ursprüngliche Formen gänzlich verschwunden sind.

Bewusst konzentriert sich Spaemann auf Cello und Stimme, schlägt durch ihr versiertes Spiel, ihren warm timbrierten, variablen Gesang und einige Soundeffekte klangvolle Brücken von der Klassik in gegenwärtige Pop-Ästhetik. Stets darauf bedacht, musikalische Substanz und spezifische Charakteristika zu bewahren.

Das Ergebnis klingt ungewöhnlich, individuell, berührend – und absolut stimmig. Einige Konzerte hat Spaemann mit ihrem Programm bereits erfolgreich gegeben, etwa bei den Tiroler Festspielen in Erl und der Cello Biennale Amsterdam. Für diesen Herbst wurde sie vom Alpen Arte-Festival als Intendantin in Residence engagiert.

Das Titelstück des Albums ist auch sein Aufmacher. Anfänglich konzentriert auf minimalistische Cello-Drones, zartes Klopfen und ausdrucksstarken Gesang, steht Gap exemplarisch für die Intensität leiser Töne. Konzentrierte Reduktion ist essentiell für Marie Spaemanns hintergründige Musik, ebenso eine nuancierte Ausweitung der Arrangements durch zweite Stimmen und vielschichtige, gezupfte oder gestrichene Cello-Klänge, die den Song nach und nach bereichern.

Textlich schlägt sie auf dem Album einen Bogen von persönlichen zu gesellschaftspolitischen Gedanken. Die Mauer stand hier zunächst als Metapher für etwas, das man sich selbst in den Weg stellt, hat aber inzwischen weitere Bedeutungsebenen. „Ich habe Gap schon vor längerer Zeit geschrieben, leider passt es heute zu so viel mehr als damals“, bemerkt Spaemann dazu.

Insgesamt ist Marie Spaemanns kammermusikalische Songsammlung, nicht zuletzt dank ihrer Virtuosität als Cellistin, ein unvergleichliches Werk. Mit subtilen Emotionen, eingängigen Melodien und klugen Details spricht „Gap“ ein Generationen übergreifendes, aufgeschlossenes Publikum an. Anspieltipps: „Metamorphosis“ und „Shadows“. (Photo © uk-promotion)