Project Description

Martin Tingvall / The Rocket Skip Records - Foto: Photo © Q-rious

Woche 25/2019

Martin Tingvall

The Rocket (Skip Records)

Die Poesie, mit der Martin Tingvall mit bisher zwei Solo-Alben seine Hörer berührte, traf den Nerv eines Publikums, welches sich überbietende Superlative für einen Augenblick aussperren wollte. Und die Frage, ob das Jazz oder Klassik sei, beantwortete das deutsche Feuilleton damit, dass diese Musik keine Trennung nach Genres kennt, die Edvard Grieg genauso nahe steht wie Chick Coreas Children’s Songs.

„The Rocket“ heißt das neue Album, auf dem der schwedische in Hamburg lebende Pianist und Komponist seine Zuhörer mit einem ganz eigenen Genre verzaubert und diese auf eine Reise in neue Sphären mitnimmt. Aber von raketenartiger Schnelligkeit kann nicht die Rede sein. Ruhig lässt Tingvall es angehen auf diesem Album, und diese Ruhe behält er auch bei.

„Floating“ heißt eines der ersten Stücke und dann gibt es noch einen Song namens „No Gravity“ – und genau so fühlt sich diese Musik an: Schwerelos und leicht. Ohne dabei jemals ins Triviale abzurutschen. Im Titelsong hört man besonders deutlich, wie sehr Tingvall sich seit seinem letzten Solo-Album musikalisch weiterentwickelt hat. Die traditionelle Verteilung zwischen der rechten und der linken Hand verschwimmt, die linke spielt die Melodie gleichberechtigt zur rechten und umgekehrt, während die „Rakete“ sich langsam durch diese neuen Klangwelten bewegt.

Martin Tingvall, der eigentlich als Jazzpianist gilt, sich aber auch in anderen Genres wie Pop, Rock oder Filmmusik zu Hause fühlt, spielt auf diesem Album einfach klingende, gleichzeitig faszinierend schöne Melodien mit beinahe klassisch anmutenden musikalischen Themen. Auch seine schwedische Herkunft lässt sich nicht verleugnen: Die skandinavische Volksmusik kann man in beinahe jedem Stück heraushören. Mit diesem besonderen musikalischen Mix ist ein ganz eigenes Genre entstanden.

„Unsere Welt unterliegt einem unglaublich schnellen Wandel. Die Digitalisierung verändert fast alle gesellschaftlichen Bereiche sowie unser tägliches Leben. Mit diesem Album wollte ich einen Gegenpol der Ruhe dazu entwerfen. Gleichzeitig erforsche ich für mich auch neue musikalische Welten. Und dabei gibt mir die Musik den Weg vor.“ Auf „The Rocket“ lässt sich Martin Tingvall genau diese Zeit und den Raum, um seinen musikalischen Minimalismus noch mehr als auf seinen bisherigen beiden Solo-Alben zu erforschen. Ganz allein, nur Tingvall und sein Klavier. Anspieltipps: „The Rocket III“ und „Dark Matter“. (Foto: Photo © Q-rious)