Projekt Beschreibung

Woche 39/2021

Monoglot

Resonance (Hout Records)

Die Saxophonisten Sebastian von Keler und Fabian Willmann, Gitarrist Kristinn Kristinsson, Bassist Valentin Link und Drummer Michael Heidepriem verteilen sich über Basel, Berlin und Reykjavik. Von den Bergwelten der Schweiz über die Vulkan-Insel im Nordatlantik bis zum brodelnden Schmelztiegel Berlin aus völlig unterschiedlich sozialisierten Umfeldern kommend, findet das Quintett eine interne Schnittfläche, die mit herkömmlichen Bezeichnungen wie Jazz – in welcher Ausprägung auch immer – Post Rock, Minimal Music oder Ambient nur höchst unzureichend beschrieben wäre.

In der Ruhe liegt die Kraft. „Resonance“ ist ein eher leises Album, das sein volles Volumen jedoch beim Hören auf der Projektionsfläche der mentalen Übersetzungen ausschöpft. „Am Anfang stand nur die Idee der Resonanz im Raum“, rekapituliert Fabian Willmann, „Schwingungen, Schwebungen, sich wiederholende Muster und deren Transformation in Musik. Wir wollten ein Album schaffen, dass im Großen wie im Kleinen eine durchgehende Stimmung erzeugt. Deshalb arbeiteten wir viel mit Repetition und Variation von melodischem Material. Wir wollten mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel sagen.“

Zwischen fein ziselierter Poesie und konstruktivistischer Sinnlichkeit changierend lotet die Band Spielfelder aus, um sie umgehend zu besetzen. Die Regeln für das einfühlsam durchdachte psychoakustische Spiel von Monoglot sind einfach. Kein Thema wird länger ausgedehnt als unbedingt nötig. Was gesagt werden muss, ist gesagt, sowie es gesagt ist. Fertig!

Ein besonderes Maß an Disziplin war dafür nicht erforderlich, denn die programmatische Reduktion und Konzentration aufs Wesentliche war bereits in den Kompositionen angelegt. „Man muss ja nicht immer alles machen, was technisch möglich ist,“, so Willmann, „denn dann besteht oft die Gefahr, dass es zwar für die Musiker interessant ist, für ein Publikum aber überhaupt keine Relevanz hat.“ So ist „Resonance“ viel mehr, als man aufs erste Ohr zu erfahren glaubt. Denn wenn man zwischen den Tönen hört, öffnen sich ganze Universen. Die entscheidende Komponente, welche die sieben Songs zusammenhält, ist der Sound. Die feste gemeinsame Basis der fünf Beteiligten ist der Ausgangspunkt, auf dem sich dieser Sound entfalten kann.

Die scheinbar unumkehrbare Kontinuität der Zeit hebt sich auf „Resonance“ komplett auf. Wie in einem Farnblatt bildet sich das große Ganze in seinen Mikrostrukturen ab, sodass sich, was oberflächlich besehen kurz oder komprimiert erscheint, in der Tiefenwahrnehmung auf beträchtliche Längen ausdehnen kann. Musikalische Nano- und Mikroprozesse gewinnen ein Eigenleben und stehen in einem ständigen Wechselverhältnis zum Gesamtsound des Albums.

Auf diese Weise entfaltet „Resonance“ unerwartete Bilder, die mit verhalten wechselndem Klanglichteinfall unentwegt neue Stimmungen heraufbeschwören und nach Zeiten der allgemeinen Selbstbeschränkung eine nachhaltig befreiende Wirkung ausüben. Anspieltipps: „Last Song“ und „Nantoka“. (Photo © uk-promotion)