Projekt Beschreibung

Foto: © ACT / Nerea Coll

Woche 47/2020

Nesrine

Nesrine (ACT)

Mit seinem Debütalbum „Ahlam“ versetzte das Trio NES um die franko-algerische Sängerin, Cellistin und Songwriterin Nesrine im Jahr 2018 die europäische Musikwelt ins Staunen. Sol Gabetta nannte Nesrine „eine wunderbare Sängerin und Cellistin“, The London Times „ein leuchtendes, multilinguales Talent“ und der Deutschlandfunk brachte es auf den Punkt: „Die Zeit für NES ist gekommen.“

Nun erzählt Nesrine als Solokünstlerin ihre persönliche und musikalische Lebensgeschichte weiter: In Frankreich als Kind algerischer Eltern aufgewachsen, studierte sie zunächst klassisches Cello, arbeitete schnell mit Institutionen wie Daniel Barenboim oder Lorin Maazel und spielte eine tragende Rolle in einem Programm des „Cirque du Soleil“.

Doch vor allem in ihren eigenen, kunstvollen Songs in arabischer, französischer und englischer Sprache wird ihre schillernde Künstlerpersönlichkeit hörbar. Eine Musikwelt ohne Grenzen, reflektiert von Nesrines Cello und ihrer kraftvollen Stimme, mit nordafrikanischen Wurzeln und einer mediterranen Gegenwart. Und einer faszinierenden Melange aus Minimal Music, klassischer Spielkultur und rhythmischen Einflüssen aus Pop und Jazz.

Für das neue Album hat sich Nesrine mit Produzent und Gitarrist Vincent Huma und Soundingenieur Fab Dupont zusammen getan. Gemeinsam mit Percussionist David Gadea und Gästen gelingt der Spagat, eine komplexe Welt zu kreieren, die die Natürlichkeit, Reduktion und Wärme des Debütalbums „Ahlam“ beibehält, diese aber zugleich um ganz neue, elektronische Einflüsse und musikalische Ebenen erweitert.

Im Zentrum dieser Welt stehen Nesrines Stimme und ihr elektrisches Cello. Letzteres klingt in ihren Händen immer wieder überraschend neu: Mal wie eine nordafrikanische Guembri, dann wieder wie eine E-Gitarre, metallisch scharf oder auch ganz klar und warm. Und dann ist da noch diese Stimme, die direkt zu den Hörern spricht, ihnen mal ins Ohr flüstert, dann wieder wie zum Gebet ruft, mal mit Sanftmut, mal mit Ironie, mal widerborstig und trotzig – und immer auf der Suche, die Welt um uns herum einzufangen und hörbar zu machen.

Nesrines Musik ist das Spiegelbild ihrer grenzenlosen Generation, in deren Denken und Handeln Herkunft, persönliche und künstlerische Sozialisation und stilistische Grenzen verwischen. Und auch ein Paradebeispiel dafür, wie Musik heute jenseits von räumlichen Grenzen entstehen kann. Sie funktioniert und fließt so natürlich, weil sie keinem Vorsatz folgt, all ihre unterschiedlichen Elemente zu verbinden und ist schlicht und einfach die logische künstlerische Essenz aus der ganz persönlichen Geschichte der Protagonistin. Anspieltipps: „Rissala“ und „Silent Mood“. (Foto: © ACT / Nerea Coll)