Projekt Beschreibung

Woche 27/2021

Nina Attal

Pieces Of Soul (Zamora)

Mit „Pieces of Soul“https://www.ub-comm.de/wp-content/uploads/2021/05/Nina-Attal-Pieces-of-Soul-Cover.jpg, ihrem vierten Album (VÖ 11.6.), kehrt die 29 Jahre alte französische Gitarristin und Sängerin Nina Attal zu den Blues-, Rock- und R’n’B-Wurzeln ihrer Jugend zurück. Als sie 12 war, bekam sie von ihrem Vater eine E-Gitarre geschenkt, auf der sie, sozialisiert durch die von Rockalben geprägte Plattensammlung ihrer Eltern zunächst Riffs von Jimmy Page und Angus Young erlernte. Schnell fand sie aber auf der Suche nach den Wurzeln des Rock zum Blues und damit der Musik von Robert Johnson, Big Bill Broonzy, Stevie Ray Vaughan und Rory Gallagher.

Schon drei Jahre später nahm Nina an Jam Sessions im Pariser Club Caveau des Oubliettes teil, wodurch ihr Repertoire immer weiter anwuchs, ob mit Coverversionen von Bernard Allison- und Johnny „Guitar“ Watson-Songs oder Eigenkompositionen. 2009 gewann sie beim renommierten Blues Sur Seine Festival gleich fünf Preise, da hatte sie noch nicht einmal ihren Schulabschluss gemacht.

2010 veröffentlichte sie ihre in Eigenregie produzierte Debüt-EP „Urgency“, auf der nicht nur ihre Qualitäten als Gitarristin, sondern auch ihre soulige und funkige, von Künstlern wie Stevie Wonder, Michael Jackson und Prince beeinflusste Stimme zu hören waren. Einen ähnlichen Weg schlug das im darauffolgenden Jahr veröffentlichte Album „Yellow 6/17“ ein.

In einem äußerst männlich dominierten Feld hat sich Nina Attal fest etabliert. Ihre Tourneen mit bis dato mehr als 600 Auftritten haben sie durch ganz Europa und darüber hinausgeführt sowie zu Festivals in Deutschland wie dem Elbjazz, dem Reeperbahn Festival, den Aalener Jazztagen oder dem Stimmen Festival. Fernsehauftritte wie in der bekannten französischen Sendung „Taratata“ schlossen sich an.

Beim Montreux Jazz Festival 2012 holte sie Marc Cerrone vor einem erlesenen Publikum auf die Bühne, in dem u.a. Quincy Jones, Mark Ronson und Nile Rodgers saßen und sie trat als Special Guest bei einem Chic-Konzert auf. Dabei beeindruckte Nina den Chic-Bassisten Jerry Barnes so sehr, dass er ihr nächstes Album „Wha“ im Avatar Studio in New York produzieren wollte.

Das nach einem Café in Greenwich Village benannte Album konzentrierte sich mit seiner fantastischen Rhythmusgruppe inkl. Eric Claptons Schlagzeuger Steve Jordan und Bashiri Johnson, Percussionist u.a. von Miles Davis und Michael Jackson, auf einen Sound zwischen Soul, Funk und Rock. Es folgten Support-Tourneen für Jamie Callum, Robben Ford und einige mehr.

Als nächstes veröffentlichte Nina eine EP namens „Verso“ mit persönlichen, in französischer Sprache gehaltenen Texten und 2018 das Album Jump, bei dem sich der Einfluss von Bruno Mars und Justin Timberlake auf die Musikerin bemerkbar machte. Für Nina Attal bedeutete es einen großen musikalischen Sprung; kurz nach der Veröffentlichung ergab sich durch das Ende ihrer Beziehung auch in ihrem Privatleben ein ähnlich großer Sprung. Um sich neu zu orientieren, unternahm sie an der US-amerikanischen Westküste eine Rundreise und entdeckte ihre Rock- und Blueswurzeln dort wieder neu.

Zurück in Frankreich begann sie nach einer kreativen Pause neue Songs auf der Gitarre zu komponieren, die Texte schrieb Gunnar Ellwanger von der Band Gunwood. Im Sommer 2020 begannen die Aufnahmen in der Besetzung Nina Attal (Gitarre, Vocals), Corentin Pujol (Keyboards), Bassam Bellman (Gitarre), Pierre El Grishi (Bass) und Matthieu Gramoli (Schlagzeug).

Nina Attal gab und gibt die Produktion ihrer Alben nur sehr zögerlich in andere Hände, aber „Pieces of Soul“ vertraute sie Maxime Lebidois (Beat Assaillant) an, in dessen nahe zum Meer gelegenen Studio in der Normandie sie ihren kalifornischen Traum ausleben konnte. Die Gitarre stand im Zentrum der neuen Kompositionen und sie sind von strahlendem Sonnenschein und Ninas geradezu leuchtender Stimme durchwirkt, wie das vom Schweizer Graphikdesigner Jonathan Müller kreierte Cover schon andeutet.

Die 13 Songs erzählen von Nina Attals Wunsch nach Emanzipation. Die Ballade „Shape My Home“ eröffnet das Album in einer 1960er Blues-Soul-Weise und mit einem Outro, das luftige Streicher mit einem heroisch anmutenden Gitarrensolo verbindet. Der folkige Titel „Daughter“ handelt von komplizierten Beziehungen innerhalb einer Familie und der jazzige New Orleans-Rhythmus von „Never Been Clear“ gemahnt an eine verflossene Liebe. Letztere ist auch Thema von „Get Your Shit Together“ mit seinem psychedelischen Rock-Sound und einer glasklaren Botschaft.

Auch wenn Pieces of Soul davon erzählt, dass man ein Leben manchmal wieder neu zusammensetzen muss, strahlt das Album ein Gefühl intensiven Glücks aus, das Glück mit Freude auf der Bühne zu stehen, das Glück, Energie und Leidenschaft mit einem Publikum teilen zu können. Anspieltipps: „Make A Turn“ und „I Can’t Stop Loving You“. (Photo © ub-comm)