Projekt Beschreibung

nits knot - Photo: © Bertus Musikvertrieb

Woche 02/2020

Nits

Knot (Werf Records)

Die1974 gegründete niederländische Avantgarde-Popband Nits, seit Jahrzehnten eine der Konstanten in der europäischen Musikszene, war eher selten eine Band, die die großen Stadien füllte, die sich aber mit dem Alben „Tent“ (1978), spätestens aber mit „Omsk“ (1983) eine sehr große Fangemeinde erspielte, mit „Adieu Sweet Bahnhof“ (1984) und mehr noch mit dem kommerziell erfolgreichsten Album „In The Dutch Mountains“ (1987) sich durchaus auch in den Charts wiederfand. Um dort dauerhaft vertreten zu sein, war/ist die Musik der Niederländer aber zu komplex, bei aller Vorliebe für „schöne“ Melodien für den Mainstream dann doch zu sperrig, zu wenig beliebig.

Nun ist mit „Knot“ bereits das 24. Studioalbum der Nits zunächst als CD erschienen (Vinyl folgt Ende Januar), auf dem wieder die große musikalische Offenheit und die gleiche forschende Neugierde zu hören ist, welche die Band in ihrer 45 Jahren andauernden Karriere auszeichnete. In drei über mehrere Tage andauernden Sessions improvisierten Henk Hofstede, Rob Kloet und Robert Jan Stips möglichst frei, um neue Ideen entstehen zu lassen. Aus den daraus entstandenen 20 Stunden Material schufen sie schließlich die 11 neuen Songs, die trotz dieser gewagten Herangehensweise kompakt und organisch wirken.

Die Stücke beginnen oft beiläufig, einfach zugänglich, entwickeln dann aber eine subtile Eindringlichkeit, die den Hörer zunehmend in den Song hineinzieht. Die drei Musiker verknüpfen stark unterschiedliche musikalische Motive und assoziative Textfragmente zu facettenreichen Songs, die oft überraschen – und doch unverkennbar nach den Nits klingen. Sie sind fragil und poetisch, durchzogen von europäischer Melancholie und Anspielungen auf die Musik- und Kunstwelt.

Während das letzte Album „Angst“ (2017) von Gesprächen zwischen Texter Henk Hofstede und seiner Mutter inspiriert war, deckt „Knot“ ein wesentlich breiteres Spektrum an Themen ab. Dazu gehören Erfahrungen aus Hofstedes unmittelbarem Umfeld, vermischt mit allgemeinen Beobachtungen und Fantasien: Eine Tanzparty in Ostende etwa verbindet im Song „Dead Rar Ball“ Marvin Gaye mit dem belgischen Maler und Zeichner James Ensor. „The Concrete House“, entstanden nach dem Ausräumen des Elternhauses, erinnert an Werke der britischen Bildhauerin Rachel Whiteread, eine Figur aus einem Thriller spricht aus dem Text von „Music Box With Ballerina“.

Mit „Knots“ demonstrieren Hofstede, Kloet und Stips einmal mehr ihre künstlerische Qualität, warten durchaus mit der ein oder anderen musikalischen Überraschung auf, schaffen aber das Kunststück zu klingen wie eben nur die Nits klingen und das, ohne sich permanent selbst zu zitieren. Dass das Album wieder in der gewohnten exzellenten Tonqualität daherkommt, soll nur nebenbei erwähnt sein. Anspieltipps: „The Electric Pond“ und „The Concrete House“. (Photo © Bertus Musikvertrieb)