Project Description

Philip Bailey / Love Will Find A Way - Foto: © uk-promotion

Woche 27/2019

Philip Bailey

Love Will Find A Way (Verve)

Als Earth Wind & Fire Anfang der 1970er Jahre ihre ersten Aufnahmen machten, hatten Philip Bailey und seine Bandkollegen, wie viele große Künstler jener Zeit, wenig Interesse daran, Genres auseinanderzuhalten oder für ein selektives Publikum zu spielen. Diese Philosophie verhalf der Band damals zu einem beispiellosen kreativen und kommerziellen Erfolg.

17 Jahre nach seinem letzten, betont jazzigen Soloalbum “Soul On Jazz” meldet sich Philip Bailey, der legendäre Falsett-Sänger und Mitbegründer von Earth Wind & Fire und eine der unverkennbaren Stimmen des Rhythm’n’Blues und Funk, mit einem neuen großartigen Album zurück. Auf “Love Will Find A Way” interpretiert er neben neuen Eigenkompositionen u.a. Klassiker von Curtis Mayfield, Pharoah Sanders und den Talking Heads.

Mit seinem neuen Akbum beweist Bailey, dass die Ideale von Earth Wind & Fire – z.B. Respekt vor echter Musikalität und die Überzeugung, dass jede Art von Musik Bedeutung hat – auch 2019 immer noch ihre Berechtigung haben und beim Publikum auf fruchtbaren Boden fallen.

Neben altvertrauten Freunden wie dem Bassisten Christian McBride, dem ikonischen Jazzpianisten Chick Corea und der Schlagzeug-Legende Steve Gadd präsentiert Bailey auf dem Album einige der größten zeitgenössischen Stars des Jazz, Rhythm’n’Blues und Pop: darunter Keyboarder Robert Glasper, Saxophonist Kamasi Washington, der Rapper, Musiker und Produzent will.i.am, Trompeter Christian Scott aTunde Adjuah, Sänger/Songwriter Bilal, Saxophonist Casey Benjamin, Gitarrist Lionel Loueke, Schlagzeuger Kendrick Scott und Bassist Derrick Hodge.

Die Aufnahmen von “Love Will Find A Way” entstanden über einen Zeitraum von zwei Jahren. Alles begann, als Bailey auf die neue zukunftsweisende Jazzgeneration aufmerksam wurde, für die Genregrenzen überhaupt nicht mehr zu existieren scheinen. “Ich hatte gehört, dass Rob Glasper dem Jazz ein neues Gesicht verlieh”, erzählt Bailey. Das weckte seine Neugier. Also besuchte er ein Konzert des Keyboarders, um sich ein eigenes Urteil zu bilden und war danach restlos begeistert. Nicht nur war die Musik heiß und progressiv, auch das Publikum war hip, bunt gemischt, jugendlich und leidenschaftlich.

Bailey holte Glasper schnell an Bord, um auf einigen Tracks zu spielen und als Produzent mitzuwirken. Darüber hinaus erwies er sich bei der Rekrutierung von Musikern und anderen Entscheidungen von unschätzbarem Wert für den Sänger. Aber Bailey hörte sich selbst auch weiter um.

“Love Will Find A Way” beginnt mit einem westafrikanisch anmutenden Take von Mayfields “Billy Jack”. Die Nummer bietet Bailey die perfekte Gelegenheit, dem Falsett-Sänger, der ihn wohl am meisten beeinflusst hat, Tribut zu zollen. Danach erinnern Bailey und Chick Corea mit einer charmant groovenden Version des Return To Forever-Klassikers “You’re Everything” an die Blütezeit der Jazz-Fusion.

Bei “We’re A Winner”, einer weiteren Nummer von Curtis Mayfield, erhält Bailey gesangliche Unterstützung von Bilal. Im überwiegend instrumentalen “Stairway To The Stars”, das will.i.am mit einem hypnotisierenden Tribal Beat unterlegte, setzt sich Christian Scott aTunde Adjuah mit seiner mit viel Halleffekten gespielten Trompete in Szene. Das Stück geht nahtlos in den “Brooklyn Blues” über, in dem Bailey mit seiner Kalimba ein meditatives Ambiente kreiert, unter das ein siedender Jazzrhythmus des 21. Jahrhunderts gelegt wurde. Dann feiert Talking Heads’ “Once In A Lifetime” – mit einer Spoken-Word-Einlage von Bailey – als atmosphärische Slow-Jam-Nummer Wiederauferstehung.

“Just To Keep You Satisfied” ist eine wunderbar ehrfürchtige Hommage an Baileys Idol Marvin Gaye. Kamasi Washingtons kerniges Tenorsaxophon passt perfekt zu der spirituellen 70er-Jahre-Stimmung von “Sacred Souls”. Im Titelstück, ”Love Will Find A Way” von Pharoah Sanders, wird Baileys Falsett subtil von Casey Benjamins Saxophon und Vocoder komplementiert. Für den soul-jazzigen Groove in “Long As You’re Living” sorgt der großartige Bassist Christian McBride. Die Nummer war 1959 von Julian Priester und Tommy Turrentine für Max Roachs Album “Quiet As It’s Kept” geschrieben worden und erhielt später einen Text von Oscar Brown.

“Love Will Find A Way” ist Philip Baileys zwölftes Soloalbum und präsentiert – trotz oder wegen – der versammelten Musikprominenz, 10 exzellente Songs, die sich weitgehend „einen Dreck“ um allzu enge Genregrenzen scheren, die voller Spielfreude und spannenden Wendungen, durchaus auch mit der ein oder anderen „Ecke und Kante“ daherkommen. Anspieltipps: „Billy Jack“ und „Once in a Lifetime“ (Photo © uk-promotion)