Project Description

Foto: Photo © ub-comm

Woche 45/2019

Roberto Fonseca

Yesun (3éme Bureau)

Die kubanische Musik erlebte in den letzten 30 Jahren eine Renaissance und trotz seiner noch relativ jungen Jahre steht der am renommierten Instituto Superior de Arte ausgebildete Fonseca schon seit 1990, als er im Alter von 15 Jahren sein Solodebüt gab, mit an der Spitze dieser Bewegung.

Sowohl seine Soloalben und –tourneen, im Rahmen derer er u.a. die Kölner Philharmonie und die Elbphilharmonie ausverkauft hat, wie auch seine Beteiligung am legendären Buena Vista Social Club ab den frühen 2000er Jahren und seine späteren Tourneen mit Ibrahim Ferrer oder Omara Portuondo legen Zeugnis davon ab.

„Das ist das Album, das ich schon immer machen wollte“ sagt Roberto Fonseca über „Yesun“ sein neues, mittlerweile neuntes Soloalbum. Es verbindet Jazz, klassische Musik, Rap, Funk, Reggae und Electronica miteinander. „All meine Einflüsse sind da. All die Sounds und Vibes, die mich zu dem machen, was ich bin“ so der in diesem Jahr mit dem höchsten französischen Orden für Kultur ausgezeichnete kubanische Musiker.

Mehr noch als das Vorgängeralbum „Abuc“, das mit mehr als 30 Gastmusikern die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der kaleidoskopisch anmutenden kubanischen Musik erzählte, vertieft sich „Yesun“ noch weiter in die Musik aus Fonsecas Heimatland Kuba und behält dabei die Zukunft durch das Verweben von Beats, Spoken Word und analogen Keyboards mit Fonsecas sonorer Stimme immer fest im Blick.

„Ich möchte ein Kuba ohne Grenzen präsentieren“ sagt Fonseca und weiter: „Ich versuche Brücken zwischen meinen afrokubanischen Wurzeln und anderen Musikstilen zu bauen und mache einige der von mir so geliebten verrückten Sachen live. Ich bringe Ideen mit, die ich über viele Jahre auf Tournee in der ganzen Welt absorbiert habe.“

Die zwölf Stücke des Albums wurden von einem Trio eingespielt, das neben Fonseca selbst aus Schlagzeuger Raúl Herrera und Kontrabassist Yandy Martínez besteht. Als Gäste sind der US-amerikanische Saxophonist Joe Lovano, der französisch-libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf, die kubanische Rapperin und Sängerin Danay Suarez und die Bolero-Diva Mercedes Cortés dabei.

Fonsecas unverwechselbare Handschrift prägt mit seinem durchdringenden Sinn für Form, Rhythmus und Melodie sowie den immer ideenreichen und aussagekräftigen Kompositionen das Album. Der größere Raum, der in Fonsecas Soli hörbar ist, ist agil und zart hier, perkussiv und kraftvoll dort und erfüllt von Gedankenreichtum, Gefühl und einem klaren Ziel vor Augen. „Wenn man jung ist, will man alles sagen und spielt zu viele Noten“ so Fonseca. „Jetzt, wo ich selbstsicherer in meinem Spiel bin, habe ich erkannt, dass der beste Weg, mit so vielen Menschen wie möglich zu kommunizieren ist, ihnen den Raum zu geben, dich zu verstehen.“

Der Albumtitel „Yesun“ ist ein Wortspiel und symbolisiert das Wasser: Wasser aus den Quellen der afrokubanischen Geschichte dargereicht mit modernen, nach vorne schauenden Drehungen und Wendungen. So wie das lebensspendende Wasser einen weiten Einflussbereich und eine gestaltverändernde Macht hat, fließt Fonsecas Musik von Altem zum Neuen, stellt sich dabei vielen Herausforderungen und wirkt mit seinen Genregrenzen sprengenden musikalischen Abenteuern und seinem Erfolg außerhalb Kubas ein Wegbereiter für die jungen Musiker im Land.

„Yesun“ ist also das Album eines weltweit erfolgreichen kubanischen Virtuosen, der Musik auf seine ganz eigene Art macht und die kubanische Musik modernisieren will. „Meine Kultur ist stark und unterschiedlich genug, dass ich Sounds auf eine andere Weise nutzen kann. Ich kann Risiken eingehen und Dinge aufmischen; Vorwärts gehen, immer vorwärts, ohne jemals meine Wurzeln zu vergessen. Yesun ist ich. Yesun ist, wer ich bin“, so Roberto Fonseca. Anspieltipps: „La Llamada“ und „Motown“. (Foto: Photo © ub-comm)