Project Description

Woche 49/2018

Satori

In The Corners Of Cloud (Whirlwind)

Die Tenorsaxofonistin Josephine Davies steht mit ihrem genreübergreifenden und dennoch zutiefst dem Jazz verbundenen Trio Satori an vorderster Front der britischen Jazzszene. Das Wort entstammt der buddhistischen Lehre und bedeutet, im Augenblick präsent zu sein, fernab vom alltäglichen Gedankenlärm.

Mit diesem Projekt verbindet die Künstlerin ihren inneren Drang zum individuellen Ausdruck und ihre Liebe zur japanischen Lebensphilosophie. Das Trio wurde 2016 mit zwei der gefragtesten britischen Jazzmusiker, dem Schlagzeuger Paul Clarvis und Bassisten Dave Whitford, gegründet und hat im selben Jahr einen Livemitschnitt aufgenommen, der die Hälfte des selbstbetitelten Debütalbums ausmachte.

Nachdem Davies mit beiden Musikern bereits bei früheren Projekten zusammengearbeitet hatte, nahm sie sich für ihre neuen, für „In The Corners Of Clouds“ gedachten Kompositionen das Motto „Weniger ist mehr” zu Herzen. Ganz ohne Akkordinstrument, also ohne Harmoniefolgen im klassischen Sinne, schuf dieser Ansatz eine neue Ebene für eigene kreative Experimente und den einzigartigen Klang des Trios. 2018 kehrte Satori ins Studio zurück, diesmal mit dem vielseitigen, dynamischen und feinsinnigen Schlagzeuger James Maddren.

Die fast ausschließlichen First-Takes und die wenig geprobte Direktheit von Satoris Sound ist grundlegend für die von Davies angestrebter Atmosphäre und ist in der Eröffnungsnummer „Wabi Sabi“ (benannt nach einer japanischen Philosophie, die die Schönheit der Unvollkommenheit behandelt und feiert) wunderbar eingefangen. Hier werden Whitfords rhythmisches Spiel und die Kernmelodie aufgebrochen, wodurch ein orientalischer langer Groove für Improvisation entsteht, bevor sie wieder in einen ähnlich schönen Zustand versetzt werden.

Davies‘ lang gehegte Faszination für die Musik von John Coltrane ist in „Dancing Saint“ zu hören, dessen bluesige, schwelende Rhythmen und lange, geformte Tenorlinien eine Hommage sind (mit animierten individuellen Features für Bass und Schlagzeug).

Das Titelstück „In the Corners of Clouds“, das von zwei Haiku (japanische Gedichtform) auf der Grundlage dieser gegensätzlich kantigen und unbeschreiblichen Themen angeregt wurde, „kam sehr schnell und vollständig geformt“, erklärt die Saxophonistin. Es ist fast ein Singer/Songwriter-Gefühl, gekennzeichnet durch eine attraktive, singbare, absteigende Sequenz.

„In The Corners Of Clouds“ ist ein kompaktes in sich geschlossenes Album, dennoch spannend und auch immer mit einem Hauch von „Freiem Tun“ daher kommend. Anspieltipps: „Wabi-Sabi“ und „Lazy“.