Project Description

Cover Calypsos - Photo © Maaula Records

Woche 44/2019

The Loire Valley Calypsos

The Loire Valley Calypsos Vs The Great Pink Flamingo (Maaula Records)

Thibaut Kret, Pierre Pelyber, Antoine David und Samuel Gallienne – vier Männer machen Musik. Als The Loire Valley Calypsos nehmen sie sich vielen frühen karibischen Musikrichtungen an und vermischen diese mit viel Humor und Traditionsbewusstsein.

Zunächst startete die Band aus Angers 2015 als akustisches Trio – gewissermaßen ein Westentaschenformat karibischer Partymusik, das vor allem dem prägnanten Calypso-Gesangsstil viel Platz einräumte. Zwei Jahre nach dem ersten, soundtechnisch noch roheren Album „Chalonnes Island” ist mit Gitarrist Samuel Gallienne die Elektrifizierung der Band abgeschlossen und die Stilvielfalt gewachsen.

So sind die 12 neuen Songs auf „The Loire Valley Calypsos Vs The Great Pink Flamingo“ bis auf den Lord Kitchener-Smash Hit „Jump In The Line“ allesamt Eigenkompositionen – die streng genommen nicht ausschließlich dem Genre Calypso zugeordnet werden können, das schon mit Mento (Jamaica), Goombay (Bahamas), Bouyoun (Dominikanische Republik) oder Cadence Rampa (Haiti) viele sehr ähnliche Halbgeschwister und mit Soca seit den 70ern einen populären Enkel vorweist.

Tatsächlich bedienen sich die Franzosen recht elegant an vielen weiteren karibischen Stilen, benutzen Jump-Up-Rhythmen oder singen eine westindische LoFi-Soul-Ballade, versehen ihre Songs mit Texten zwischen B-Movie-Humor und dem typischen lokalen Storytelling der 40er und 50er. Bisweilen werden sie dabei von Gästen an Akkordeon, Percussion oder Theremin (!) unterstützt.

Und so gerät ihr „Duell“ mit dem großen, pinken Flamingo zu einer kurzweiligen Reise mit vielen schönen Momenten in Sachen karibischer Partymusik aus dem frühen vergangenen Jahrhundert. Klanglich orientiert sich das Album am Old School-Sound, die Musiker nehmen dabei die musikalischen Vorbilder ernst – allerdings zumeist verbunden mit einem ordentlichen Augenzwinkern.

Im Ergebnis gelingt ihnen so ein Album, das weder am Respekt vor oder an mangelnder Distanz zu den musikalischen Vorbildern erstickt, noch in seiner Aneignung beliebig wirkt. Die Band aus Angers scheint sich ausgesprochen wohl in dieser Retro-Nische zu fühlen und kommt mit einer Spiel- und Lebensfreude daher, die sich unwillkürlich und wie von selbst auf den/die Hörer überträgt. Anspieltipps: „Snake“ und „Tiki Tiki Runner“. (Photo © Maaula Records)