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Youn Sun Nah / Immersion2019-03-25T11:46:37+02:00

Project Description

Youn Sun Nah / Immersion - Photo: © Q-rious

Woche 13/2019

Youn Sun Nah

Immersion (Warner)

Mit ihrem neuen Album „Immersion“ geht die koreanische Sängerin Youn Sun Nah neue Wege und verbindet die Intensität des Gesangs mit der Ausdruckskraft von Jazz, Rock, Folk und dem Anspruch großer Songs, setzt das nun konsequent um, was sich auf früheren Alben etwa mit großartigen Interpretationen von Tom Waits“ „Jockey Full Of Bourbon“, Paul Simons „She Moves On“ oder Stan Jones’ „Ghost Riders In The Sky“ nur vereinzelt angedeutet hatte.

Youn Sun Nah ist eine erstaunliche Künstlerin. In jungen Jahren sang sie in ihrer südkoreanischen Heimat in Musicals, war in klassischen Ensembles zu erleben, stellte dann aber für sich fest, dass ihr die Welt der festgelegten Töne auf Dauer zu eng werden würde. Also beschloss sie 1995, Seoul in Richtung Paris zu verlassen, um sich an der Seine mit Chanson und Jazz zu beschäftigen.

Das sollte aber kein Bruch mit der Vergangenheit sein, eher eine Erweiterung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten. Ihre Lieder entfalteten hypnotische Intensität, die einer Mischung aus Innerlichkeit, Perfektionsdrang und intuitivem Verständnis der richtigen Balance von Ernst und Emotionalität entsprang. Das Resultat war beeindruckend. Bald hing ihr bei Konzerten das Publikum gebannt an den Lippen und folgte den musikalischen Geschichten, die sie zu erzählen hatte.

Von da an war es eigentlich nur noch eine Frage der richtigen Partner und des passenden Repertoires, um aus der Newcomerin einen Star werden zu lassen. Youn Sun Nah schloss ihre Ausbildung in Beauvais und am renommierten Centre d’Information Musicales ab, sammelte Preise, tourte durch Europa und Südkorea.

Über das vergangene Jahrzehnt hinweg wurde sie zum Headliner von Festivals, füllte die großen Hallen, merkte aber auch, dass sie sich neu orientieren musste, um nach diesen Erfolgen den nächsten Schritt gehen zu können. So schlug sie einerseits wieder Zelte in Seoul auf, studierte traditionelle Musik, aber auch die aktuelle, international erfolgreiche Klangkultur des Landes.

Zeitgleich wandte sie den Blick nach Amerika, beschäftigte sich intensiv mit der Ideenwelt von Bob Dylan bis Joni Mitchell und fand Wege in eine Richtung, die sie inzwischen konsequent weiter beschreitet. „Immersion“ ist daher ein stilistisch weit gefächertes Album, neben den eigenen Songs auch ein Eintauchen in viele Welten, von der andalusischen Klassik der „Asturias“ über die Motown-Unbeschwertheit à la „You Can’t Hurry Love“ und die Nachdenklichkeit von Marvin Gayes „Mercy Mercy Me“ bis hin zu Leonard Cohens profundem Pathos in „Hallelujah“.

Nur verändert Youn Sun Nah die Vorlagen so nachhaltig, dass die Songs nicht nur neue Geschichten fernab der ursprünglichen Versionen erzählen, sondern sich in eigene Mysterien verwandeln, „erzählt“ mit Stimme Stimme, die beim Hören fesselt. Eine Persönlichkeit, die ihre Mischung aus Ernst und Empathie in die Musik trägt, ohne damit gravitätisch zu werden.

Mit „Immersion“ ist Youn Sun Nah ein wunderbares Album gelungen, an dessen ebenso reduzierten wie pointierten Klangbild auch der Produzent und Pianist, Gitarrist, Percussionist Clément Ducol (Camille, Melodie Gardot), der Schlagzeuger und Cellist Pierre-François Dufour und bei zwei Songs E-Bassist Laurent Vernerey wesentlichen Anteil haben. (Photo © Q-rious)

Anspieltipps: „The Wonder“ und „God’s Gonna Cut You Down“.