
Woche 08/2026
Lucy Kruger & The Lost Boys
Pale Bloom (Unique)
Im Gegensatz zu den früheren Alben der Lost Boys, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums produziert wurden, entstand „Pale Bloom“ langsam und versuchte, einen Schöpfungsmythos in seinem Bernstein einzufrieren – eine Ursprungsgeschichte, die uralt und komplex ist, voller Geheimnisse und Metaphern, die weder einer Klärung noch eines Endes bedarf.
Jede Veröffentlichung der Lost Boys wagt sich in neues musikalisches und lyrisches Terrain vor. Von allen greift „Pale Bloom“« am weitesten zurück in die Kindheit und findet unbewusst die Rhythmen und Erzählstile, die in den Zwängen einer religiösen Erziehung verwurzelt sind.
Beim Durchforsten der vergessenen Akkorde, Refrains und Melodien aus alten Kinderreimen und Volksliedern entdeckten sie den Wunsch, diese überlieferten Klänge in Richtung persönlicherer Wahrheiten zu verändern. Dieser Impuls ist auf dem gesamten Album präsent und in Krugers ebenso klangvoller wie euphorischer Stimme zu hören, wenn sie die verschiedenen lyrischen Formen um ihre eigene Sehnsucht, Trauer und Begierde herumlegt und sie darauf vorbereitet, in der üppigen und großzügigen Subversion der erinnerten Rhythmen der Band zu landen.
Anders als in ihrem Auftritt auf „Heaving“ und „A Human Home“ sind die Streicher hier weniger affektiert und haben einen eher düsteren und ernsten Charakter angenommen. Sie streben nach einer komplexen Art von Himmel, der durch das Gewicht und die Bodenständigkeit der Grooves ermöglicht wird, die sowohl stoisch als auch ausdrucksstark sind.
Die Gitarren bewegen sich frei zwischen weitläufigen, voluminösen Räumen und sind ebenso knirschend wie sanft. Lucy Kruger nahm das Album mit ihren Bandkollegen und ihrem engen Mitarbeiter André Leo über einen Zeitraum von sechs Monaten in verschiedenen Studios in Berlin auf. Gemischt wurde das Album von Simon Ratcliffe gemischt. Anspieltipps; „Ghosts“ und „Bloom“.