Woche 24/2026

Laura Misch

Lithic (One Little Independent / Bertus)

Das Wort „Lithic“, das als „steinartig“ oder „mit Stein verbunden“ definiert wird, birgt sowohl Trauer als auch Hoffnung und schwankt zwischen Melancholie und Euphorie. Es bietet einen Moment, in dem wir tief in uns hineinhören und uns in einer zerrissenen Zeit wieder mit unseren gemeinsamen Wurzeln verbinden können.
Vom Alter gezeichnet, vom Wetter erodiert und durch Stimme, Körper und Atem erweckt, führt Laura Mischs Album (VÖ 05.06. 2026) den Klang zurück zu seinen Ursprüngen – und legt Musik frei, die aus dem Untergrund und den dunkelsten Teilen unseres Selbst heraufbeschworen wird.
Während Mischs gefeiertes Debütalbum „Sample The Sky“ (2023) in Klangwolken über der Erde schwebte – gefolgt von seinem akustischen Gegenstück „Sample The Earth“ (2024) –, reist „Lithic“ durch die Tiefen der Zeit, geprägt von Geologie und den Elementarkräften von Wind, Wasser und Stein.
Die konzeptionellen Grundlagen des Albums stützen sich auf Praktiken des Deep Listenings, der Ökoakustik und der Geologie. Inspiriert von KünstlerInnen und DenkerInnen wie Barbara Hepworth, Pauline Oliveros, Annea Lockwood, der Öko-Psychotherapeutin und Autorin von „Weathering“ Ruth Allen, sowie David Haskells Schriften über die Ursprünge und die Entwicklung von Klang, betrachtet „Lithic“ Klang als ein uraltes Material, als etwas, das im Laufe der Zeit Formen annehmen, verwittern und sich wandeln kann.
Es ist ein zutiefst feminines Album, das die rauen und weichen Konturen des Alterns nachzeichnet: die verwitterten Linien, die sich in ein Gesicht eingegraben haben, die abgenutzten Risse in einer Felswand. Anspieltipps: „Siren“ und „Jealousea (feat. Alfa Mist)“.