Lesezeit

Sonntag, 13.00 Uhr – Wdh. am Mittwoch, 10.00 Uhr / alle 2 Wochen

Immer wenn ein neues Medium das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zog, wurde von Skeptikern gleichzeitig dem Lesen das Ende vorausgesagt. Als in den 50’ern des vergangenen Jahrhunderts den ganzen Tag über das Radio lief, gaben die besorgten Erziehungsberechtigten den dringenden Rat die Nase doch wieder einmal ins Buch zu stecken.

Noch größere Befürchtungen im Hinblick auf Leseabstinenz  lösten Fernsehen und Internet aus. Erstaunlicherweise ging die Buchproduktion nicht zurück und Veranstalter von Lesefesten rund ums Buch schwärmen von steigenden Besucherzahlen: Lokal wären als Beispiele die Braunschweiger Jugendbuchwoche und das Krimifestival zu nennen.

Sie sind aber auch Beleg dafür, wie wichtig es ist, durch ein breit gefächertes Angebot an Büchern und den direkten Kontakt mit Autoren das Lesen attraktiv zu machen.

Mit der gleichen Zielsetzung möchten wir in der „Lesezeit“ Autoren aus der Region Gelegenheit geben, ihre Gedichte, Geschichten und Bücher einer interessierten Hörerschaft vorzustellen.

THEMEN DER SENDUNG

Florian Battermann Foto: (c) Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller

Florian Battermann. Theateranekdoten

In traurigen Zeiten sorgt einer für Spaß und Heiterkeit: Die Rede ist von Florian Battermann (Foto), dem Leiter der Komödie am Altstadtmarkt. Als drinnen nichts mehr ging, hat er Theater open-air in „Heinrichs” Biergarten inszeniert. Sein Weihnachtsstück „Bäumchen wechsel dich” begeisterte Komödien-Fans mittels DVD und nun bringt der Theatermacher als Autor eine Anekdotensammlung heraus unter den Titel „Alles nur gespielt?”

Sie ahnen schon, was da an lustigen Geschichten vor, auf und hinter der Bühne passieren. Denn schließlich hat Florian Battermann schon als Student für das Lehramt schon nebenbei im Theater assistiert und auf der Bühne gestanden. Und wie er da zum „Rosenkavalier” wurde, erzählt er uns in der Lesezeit.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) C. Bertelsmann Verlag

Jonas Jonasson: “Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte”

Victor hat in seinem Leben nur ein einziges Ziel: möglichst schnell viel Geld und Ruhm zu scheffeln- egal wie. Die Kunstbranche, in der es nur von Worthülsen und Hochstapelei wimmelt, bietet sich besonders gut an. Als Erbschleicher gelingt es Victor, die renommierte Galerie Alderheim an sich zu reißen, sein Lebensziel ist damit fast erreicht. Doch dann steht urplötzlich ein dunkelhäutiger Teenager namens Kevin vor der Tür, der sein unehelicher Sohn sein soll. Zu schlimm, um wahr zu sein. Also muss die Wahrheit abgeändert, der Sohn ans Ende der Welt verbannt werden. Zum Beispiel dorthin, wo alle Spuren im Sande verlaufen: in die kenianische Savanne. Gesagt, getan. Während Victor überzeugt ist, seinen Sohn nie wieder sehen zu müssen, beginnt für Kevin ein glückliches zweites Leben unter Massai. Erst nach Jahren kehrt er nach Schweden zurück – mit einem rätselhaften Bild unterm Arm und Racheplänen im Kopf. Als kurz darauf auch noch der Massai-Krieger Ole Mbatian in Stockholm eintrifft, hecken sie gemeinsam einen aberwitzigen Plan aus. Mithilfe von falschen (oder echten?) Gemälden der deutsch-afrikanischen Künstlerin lrma Stern wollen sie Victor Alderheim in eine grandiose Falle locken.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Foto: Privat

Literaturpodcast „Der erste Satz“

Im Literaturpodcast „Der erste Satz“ beginnen Julia Bekurs und Britta Schinke mit zwei Neuerscheinungen das neue Jahr in der Lesezeit: „Alle sind so ernst geworden“ von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre ist kein herkömmlicher Roman. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt handelt es sich vielmehr um einen Dialog der Autoren, in dem sie in humorigem Ton und mit viel Sprachwitz über Badehosen, Hochzeiten, Rechnungen und Siri plaudern. Die Verschiedenheit der beiden Männer macht dabei einen Teil des Lesevergnügens aus. In „Just Like You“ von Nick Hornby geht es ernster aber nicht weniger lesevergnüglich zu. Hornby widmet sich auch in seinem neuen Roman dem Beziehungsthema, diesmal zwischen einem sehr ungleichen Paar. Josef ist Anfang 20, schwarz und noch orientierungslos, was seine berufliche Zukunft betrifft. Lucy steht mit Anfang 40 im prallen Leben, ist alleinerziehende Mutter zweier pubertierender Jungs, Lehrerin und passionierte Shakespeare-Leserin. Ob diese Beziehung eine Zukunft haben kann, verhandelt Hornby in diesem Roman. Er zeigt dem Leser einen Querschnitt der britischen Gesellschaft, deren tiefe Risse durch den drohenden Brexit sichtbar werden.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) Ullstein-Verlag

John leCarré: “Federball”

John le Carré, der kürzlich verstorbene Altmeister des Spionage-Thrillers, hatte 2017 seinen definitiv letzten Roman angekündigt, der eine Art Lebensbilanz seines langjährigen Helden George Smiley darstellte. Zwei Jahre später, im Alter von 88 Jahren, legte er dann aber doch noch einmal nach und lieferte mit „Federball“ sein allerletztes Werk ab. Natürlich erneut ein Spionageroman, diesmal allerdings ohne George Smiley: Nat hat seine besten Jahre als Spion hinter sich. Gerade ist er nach London zu seiner Frau zurückgekehrt, da wird ihm ein letzter Auftrag erteilt, denn Moskau wird zunehmend zu einer Bedrohung. Zur Erholung spielt Nat Badminton, seit Neuestem gegen Ed, einen jungen Mann, der den Brexit hasst, Trump hasst, auch seine Arbeit in einer seelenlos gewordenen Medienagentur. Ausgerechnet Ed fordert Nat auch außerhalb des Spielfelds heraus und zwingt ihn, seine Haltung gegenüber dem eigenen Land in Frage zu stellen. Und eine Entscheidung zu treffen, die für alle Konsequenzen hat.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover: Verlag Worte & Leben

Luise Midgard – “Fliegen konnte ich schon immer“

Ein kleines Dorf irgendwo in Westdeutschland, Mitte des letzten Jahrhunderts. Eine Kindheit in den Jahren des Aufbruchs. Scheinbar weit weg vom Krieg und doch nicht weit genug, um den Schatten dieser Zeit nicht immer wieder zu begegnen. Eine Großfamilie, wie es sie damals überall gegeben hat. Geborgenheit. Enge. Der liebe Gott, dem nichts entgeht. Zukunftsträume, die unterm Küchentisch geschmiedet werden. Und Freiheiten, wie sie für Kinder heutzutage kaum mehr vorstellbar sind. Die junge Protagonistin erzählt, was sie sieht und hört, denkt und fühlt. Und spricht damit einer ganzen Generation aus der Seele.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) Verlag Kiepenheuer & Witsch

Buchcover © Suhrkamp-Verlag

Literaturpodcast „Der erste Satz“

In der zweiten Folge des Literaturpodcasts „Der erste Satz“ plaudern Julia Bekurs und Britta Schinke über die kürzlich erschienenen Romane von Joachim Meyerhoff und Elena Ferrante.  Nachdem Joachim Meyerhoff in seinen ersten vier Romanen schon aus vielen Lebenswelten berichtet hat, gerät der mittlerweile Fünfzigjährige in ein Drama unerwarteter Art. Sein neuer Roman „Hamster im hinteren Stromgebiet“ erzählt in einer Mischung aus Tragik und Komik, wie Meyerhoff als Notfall auf die Intensivstation eines Krankenhauses eingeliefert wird.

Elena Ferrante, die Autorin der bekannten Neapolitanischen Saga, erzählt in ihrem neuesten Roman „Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ eine Geschichte vom Erwachsenwerden am Beispiel der dreizehnjährigen Giovanna, die als Vorzeigetochter kultivierter Eltern im Neapel der neunziger Jahre aufwächst. Durch Zufall kommt Giovanna der Vergangenheit ihres Vaters auf die Spur, der aus einem ganz anderen Neapel stammt und ein anderer ist als er bisher vorgab zu sein.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) Random House Verlag

Wladimir Kaminer: Rotkäppchen raucht auf dem Balkon

Wie klappt es eigentlich mit der Verständigung zwischen den Generationen? Kann man beispielsweise erwarten, dass die Enkel zu Omas Geburtstag kommen? Wladimirs Mutter ist zuversichtlich, sie verweist auf die Geschichte vom Rotkäppchen. Ihr Sohn ist skeptisch: „Liebe Mutti, Rotkäppchen ist eine Märchenfigur, die sich frustrierte Omas ausgedacht und den Gebrüdern Grimm ins Ohr geflüstert haben. Du glaubst doch nicht, dass das Mädchen freiwillig durch den dunklen Wald gegangen ist.“ Noch immer hat Kaminer weder Kinder noch Großeltern verstanden. Die einen werden erwachsen, kaufen sich Leitz Ordner für Handy Verträge und schwören dem billigen Fusel ab, die anderen haben eine kindliche Freude daran, die Welt zu erobern und ihre Grenzen auszuloten. In seinen neuen Geschichten beschreibt Wladimir Kaminer das komplizierte Verhältnis der Generationen mit viel Liebe und Humor.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) EINBUCH Buch- und Literaturverlag Leipzig

Berko Härtel: Max geht auf Reha

Was tun, wenn man eingewickelt wie eine ägyptische Mumie in der Fangopackung liegt und die Nase kribbelt? Kann der Verzehr von roher Robbenleber einen Vitamin-D Mangel ausgleichen, und wenn ja, wo kriegt man die her? Was macht das mit einem, wenn man im Reinkarnationsseminar erfährt, das man im vorigen Leben die Mutter von Adolf Hitler war? Das sind nur einige Fragen, denen sich Max Konrad in seiner dreiwöchigen psychosomatischen Rehabilitationsmaßnahme stellen muss. Dazu kommen anscheinend verwirrte Therapeuten und Ärzte, kuriose Anwendungen und Therapien, deren Sinn und Zweck sich einem Normalsterblichen kaum erschließt. Abwechslung im skurrilen Kuralltag sind die abenteuerlichen Lebensgeschichten seiner Mit-Kurenden, so dass Max nicht verzweifelt, sondern vergnüglich seine Erlebnisse in der Einrichtung schildert. Menschen, die schon mal in einer Reha-Maßnahme waren, werden sich in dieser Realsatire wiederfinden. Alle anderen können sich mit der Lektüre schon mal darauf vorbereiten, was auf sie zukommt, wenn es zur Kur geht.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

07.03.2021 um 13:00 Uhr
13:00 — 14:00

pandora@okerwelle.de