Lesezeit

Sonntag, 13.00 Uhr – Wdh. am Mittwoch, 10.00 Uhr / alle 2 Wochen

Immer wenn ein neues Medium das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zog, wurde von Skeptikern gleichzeitig dem Lesen das Ende vorausgesagt. Als in den 50’ern des vergangenen Jahrhunderts den ganzen Tag über das Radio lief, gaben die besorgten Erziehungsberechtigten den dringenden Rat die Nase doch wieder einmal ins Buch zu stecken.

Noch größere Befürchtungen im Hinblick auf Leseabstinenz  lösten Fernsehen und Internet aus. Erstaunlicherweise ging die Buchproduktion nicht zurück und Veranstalter von Lesefesten rund ums Buch schwärmen von steigenden Besucherzahlen: Lokal wären als Beispiele die Braunschweiger Jugendbuchwoche und das Krimifestival zu nennen.

Sie sind aber auch Beleg dafür, wie wichtig es ist, durch ein breit gefächertes Angebot an Büchern und den direkten Kontakt mit Autoren das Lesen attraktiv zu machen.

Mit der gleichen Zielsetzung möchten wir in der „Lesezeit“ Autoren aus der Region Gelegenheit geben, ihre Gedichte, Geschichten und Bücher einer interessierten Hörerschaft vorzustellen.

THEMEN DER SENDUNG

Buch Cover: (c) Lübbe-Verlag

Andreas Eschbach – Freiheitsgeld

Europa in der Zukunft. Roboter erledigen die meisten Arbeiten, während ein bedingungsloses Grundeinkommen, das sogenannte »Freiheitsgeld«, dafür sorgt, dass jeder ein menschenwürdiges Leben führen kann, egal, ob er einer Erwerbstätigkeit nachgeht oder nicht. Die Menschen leben größtenteils in Städten; große Gebiete sind zum Schutz des Klimas aufgeforstet worden und als neue Reservate ausgewiesen, zu denen niemand Zugang hat, damit die Natur sich darin ungestört erholen kann. Kurz vor dem 30. Jahrestag des »Freiheitsgeldes« stirbt eben jener Altpolitiker, der es damals, nach der Großen Krise, eingeführt hat. Gleichzeitig wird der Journalist tot aufgefunden, der einst als sein größter Gegenspieler galt. Ahmad Müller, ein junger Polizist, ist in die Ermittlungen um diese Todesfälle involviert – und sieht sich konfrontiert mit übermächtigen Kräften, die im Geheimen operieren und vor nichts zurückschrecken, um eine Aufklärung der Hintergründe zu vereiteln …

(c) Krimifestival 2022

Rückblick auf Autorenlesungen des Krimifestivals

Das Braunschweiger Krimifestival, gleichermaßen beliebt bei Krimilesern als auch bei Krimi-Autoren, ist am 7. November mit der letzten Autorenlesung zu Ende gegangen. Jedes Jahr aufs Neue schafft es der Veranstalter, die Buchhandlung Graff, ein umfangreiches und qualitätsvolles Programm zu bieten. Auf vier Autorenlesungen dieses Programms blicken wir in der aktuellen Lesezeit zurück: Henri Faber stellt seinen Thriller „Kaltherz“ vor (dtv), Jan Beck ist mit seinem Thriller „Die Spur“ dabei (penguin), und Romy Hausmann präsentiert ihr aktuelles Buch „True Crime – Der Abgrund in dir“ (dtv). Und, last but not least, ist Jens Eisel mit seinem Krimi „Cooper“ (Piper) vertreten.

Cover (c) Argon-Verlag

Florian Illies – „Liebe in Zeiten Des Hasses“

In einem virtuosen Epochengemälde erweckt Florian Illies die dreißiger Jahre, dieses Jahrzehnt berstender politischer und kultureller Spannungen, zum Leben.
Als Jean-Paul Sartre mit Simone de Beauvoir im Kranzler-Eck in Berlin Käsekuchen isst, Henry Miller und Anaïs Nin wilde Nächte in Paris und »Stille Tage in Clichy« erleben, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway sich in New York in leidenschaftliche Affären stürzen, fliehen Bertolt Brecht und Helene Weigel wie Katia und Thomas Mann ins Exil. Genau das ist die Zeit, in der die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland ergreifen, Bücher verbrennen und die Gewalt gegen Juden beginnt.
1933 enden die »Goldenen Zwanziger« mit einer Vollbremsung. Florian Illies führt uns zurück in die Epoche einer singulären politischen Katastrophe, um von den größten Liebespaaren der Kulturgeschichte zu erzählen: In Berlin, Paris, im Tessin und an der Riviera stemmen sich die großen Helden der Zeit gegen den drohenden Untergang. Eine mitreißend erzählte Reise in die Vergangenheit, die sich wie ein Kommentar zu unserer verunsicherten Gegenwart liest.

Cover (c) Heyne Verlag

John Grisham: “Der Verdächtige”

Lacy Stoltz hat als Anwältin bei der Rechtsaufsichtsbehörde in Florida schon in vielen Fälle von Korruption ermittelt. Seit sie einen Richter, der Millionen abkassiert hat, zu Fall brachte, ist sie sogar zu gewisser Berühmtheit gelangt. Doch nun wird sie mit einem Fall konfrontiert, der jenseits des Vorstellbaren liegt: Denn der Richter, gegen den sie ermittelt, nimmt anscheinend keine Bestechungsgelder von Leuten. Er nimmt ihnen das Leben.

Lacy Stoltz ist eine unerschrockene, aufrechte und gewitzte Heldin. Und sie ermittelt – erstmals bei Grisham – gegen einen Serienmörder. Einen Serienmörder, der vor allem deshalb so erfolgreich operiert, weil er die Fehler des Justizsystems und die blinden Flecken der Ermittlungsbehörden so genau durchschaut. Grisham legt den Finger auf wunde Punkte in der amerikanischen Gesellschaft und erzählt zugleich eine ganz besonders spannende Geschichte.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Mittagsstunde von Doerte Hansen - © Penguin - randomhouse

Mittagsstunde von Doerte Hansen – © Penguin – randomhouse

Dörte Hansen – „Mittagsstunde“

Zurzeit läuft im Kino erfolgreich der Film „Mittagsstunde“ nach dem Roman von Dörte Hansen. Passend zu diesem Film soll an das Buch „Mittagsstunde“

erinnert werden. Dörte Hansen war mit diesem Roman 2019 auf Lesereise, so auch in der Buchhandlung Graff. Aus dieser Lesung hören wir heute einige Ausschnitte.

Der Roman „Mittagsstunde“ erzählt von dem fiktiven Dorf Brinkebüll in Nordfriesland und von seinen Bewohnern und vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt. Das Buch setzt Mitte der 60er Jahre ein, und in stetem Wechsel von Kapitel zu Kapitel wird aus der Gegenwart und der Vergangenheit erzählt – von Verlust, Abschied und Neubeginn. Mit großer Wärme schreibt Dörte Hansen von den Bewohnern Brinkebülls, ohne zu verklären. Die Geschichte des Romans könnte auch in anderen Gegenden Deutschlands oder Europas spielen, weil alle Dörfer ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Und so hat Dörte Hansen diese Thematik auch wieder in ihrem jüngst erschienenen Roman aufgenommen. Er trägt den Titel „Zur See“ und erzählt, wie sich das Leben einer Familie auf einer Nordseeinsel wandelt.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Buchcover (c) Reiffer

Die Entdeckung Amerikas – Liebeserklärungen an die US-Literatur

Mit „Die Entdeckung Amerikas“ ist nicht die erste Sichtung des amerikanischen Doppelkontinents durch Seefahrer aus anderen Zivilisationen gemeint, und das schon sehr lange vor Christoph Kolumbus.

„Die Entdeckung Amerikas“, der wir uns heute in der Lesezeit widmen, ist eine Liebeserklärung an die US-Literatur. Erschienen im Verlag Andreas Reiffer aus Meine haben die beiden Herausgeber Holger Reichardt und Karsten Weyershausen Autorinnen und Autoren verschiedener Generationen gebeten, ihre ganz persönlichen Favoriten vorzustellen und zu berichten, wie sie diese kennen und lieben gelernt haben.
Das Besondere an dieser Anthologie sind die sehr speziellen Momente, in denen die Autoren die US-amerikanischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller für sich entdeckt haben, mitunter auf Umwegen, nicht immer spontan und sofort.
Den Leser erwartet also kein Kurzporträt der jeweiligen Autoren, sondern eine Liebeserklärung an T.C. Boyle, Stephen King, Emily Dickinson, Paul Auster und viele andere.
Die beiden Herausgeber Holger Reichard und Karsten Weyershausen lesen aus und sprechen über „Die Entdeckung Amerikas“.

„Die Entdeckung Amerikas – Liebeserklärungen an die US-Literatur“ ist erschienen im Verlag Andreas Reiffer, umfasst knapp 300 Seiten und kostet 20,00€.
ISBN 978-3-945715-78-9

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Cover (c) Diogenes Verlag

Lesezeit: “Tête-à-Tête” von Martin Walker

Der vierzehnte Fall für Bruno, Chef de police: Brunos Chef lässt ein Mordfall bis heute nicht los. Im Wald bei Saint-Denis hatte man die Leiche eines jungen Mannes gefunden, die nie identifiziert werden konnte. Bei einem Besuch im Prähistorischen Museum in Les Eyzies sieht Bruno, dass sich aus Knochenfunden rekonstruieren lässt, wie ein Mensch zu Lebzeiten aussah. Er schlägt vor, dieses Verfahren auch bei dem ungelösten Mordfall zu versuchen. Damit beginnt endlich die Suche nach dem Mörder.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

Das Podcast-Team (c) privat

Literatur-Podcast “Der erste Satz”

Unter welchen Bedingungen sprechen wir von einer Autobiografie? Sind Schauspieler auch gute Schriftsteller? Warum gehört zum Erzählen übers Erwachsenwerden oft ein Roadtrip, den die Protagonist*innen gemeinsam durchleben? Diesen Fragen widmen sich Julia und Britta in der neuesten Folge ihres Literaturpodcasts „Der erste Satz“. Im Mittelpunkt der Sendung stehen zwei Bücher- beides Debüts.
Julia widmet sich der kürzlich erschienenen Autobiografie der erfolgreichen Schauspielbrüder Sönke Möhring und Wotan Wilke Möhring, die nun die eigene Familiengeschichte betrachtet und ihre Doppelbiografie „Rausch und Freiheit- Über das Leben, die Nacht und das Brudersein“ (Knaur) geschrieben haben. Dabei geht’s um das Brüdersein genauso wie sich gemeinsam auf die Suche nach einem sinnerfüllten Leben zu machen.
Britta hat den Debütroman „Aus unseren Feuern“ von Domenico Müllensiefen (Kanon) mit Vergnügen gelesen. Es geht um Heiko, Thomas und Karsten, die, bevor sie vor Langeweile sterben, lieber Feuer legen. Der eine soll den elterlichen Schlachthof übernehmen, der andere will nach Amerika ausreisen. Der dritte, Heiko, muss in dunklen Gängen Kabel verlegen und saufen lernen. Das Glück kommt einfach nicht näher, und Heiko wird Bestatter. Eines Tages wird er an eine Unfallstelle gerufen, und dann fängt seine Geschichte noch einmal vor an. – Ein Arbeiter- und Nachwenderoman über drei Freunde, die ihre Herkunft nicht als Urteil und ihre Klasse nicht als Schicksal hinnehmen wollen.
Als „Absacker“ hat Julia noch eine Autobiografie dabei: „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ von Kurt Krömer (Kiepenheuer&Witsch). Britta und Julia hier unter anderem der Frage nach, ob und warum das Thema Depression zunehmend Gegenstand der Literatur wird. Britta war zunächst geschockt, als sie den Roman „Die Summe des Ganzen“ von Steven Uhly (Secession) gelesen hat, ist nun aber aufgrund der Komposition des Romans wieder versöhnt.

Wiederholung: Mittwoch um 10.00 Uhr

11.12.2022 um 13:00 Uhr
13:00 — 14:00

pandora@okerwelle.de